Bergisch Neukirchener Gespräche

02.05.2012, 22.38 Uhr

„Was ist das, ein moderner Pfarrer?"
(cj) Seit 25 Jahren ist Hans-Michael Bach Pfarrer in Bergisch Neukirchen. Die Gemeinde sei zwar kleiner geworden, aber keineswegs weniger aktiv, sagt der stellvertretende Superintendent des Kirchenkreises Leverkusen. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Dortmunder über Gott und die Welt...

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Herr Bach, habe ich jetzt die richtige Anrede gewählt oder werden Sie in der Regel mit Herr Pfarrer angesprochen?
Bach: Es ist ja generell nicht mehr üblich, Menschen mit ihren Berufsbezeichnungen anzusprechen; deshalb finde ich es auch angemessen, als Pfarrer mit dem Namen angesprochen zu werden.
 
Herr Pfarrer wäre also antiquiert?
Bach: Diese Anrede kommt durchaus noch vor, aber sie ist sicher nicht mehr so ganz zeitgemäß. Manchmal stelle ich mich allerdings selber als ‚Pfarrer‘ Bach vor, einfach, damit mein Gegenüber schneller weiß, wer ich bin.
 
Würden Sie sich als moderner Pfarrer bezeichnen?  
Bach: Was ist das, ein moderner Pfarrer?
 
Die Frage zielt auf Ihr Verständnis von Kirche in der Gegenwart. Wie modern darf eine Institution wie die Kirche sein – und wie viel Festhalten am Althergebrachten, an Tradition, an Ritualen braucht sie?
Bach: Das ist immer eine Gratwanderung. Als ich als junger Pfarrer nach Bergisch Neukirchen kam, dachte ich, man muss alles immer wieder neu erfinden. Und das ist in unserer Event-Kultur bis zu einem gewissen Grad auch richtig. Kirche darf ruhig modern sein und braucht da keine Ängste zu haben. Auf der anderen Seite: Kirche kann und braucht nicht verleugnen, dass sie Inhalte hat, die von weit her kommen, die eine lange Tradition haben. Und Religion lebt wesentlich von Wiederholung und Einübung.
Vielleicht ist Weihnachten ein schönes Beispiel für die Gratwanderung. Weihnachten wollen Menschen etwas Vertrautes in der Kirche haben. Gerne werden bekannte Lieder gesungen und altvertraute Texte gehört. Trotzdem kann man heute nicht mehr über Jahrzehnte dasselbe Weihnachtsspiel vorführen, wie das früher selbstverständlich war. Es gibt auch den Wunsch nach Neuem und Originellem.
Kirche kommt zwar von weit her, aber sie will Menschen heute ansprechen. Dafür sind immer wieder neu angemessene Formen zu finden. Und sicherlich verändern sich dabei auch die Inhalte. Kirche muss nicht jede Mode mitmachen, aber eine Sprache sprechen und Gestaltungen finden, die die Herzen von Menschen erreichen. Fakt ist: Wir haben uns in den vergangenen Jahren an vielen Stellen geöffnet. Und das ist auch gut so.

Der Vergleich ist vielleicht etwas gewagt: Geht es Kirchgängern nicht ähnlich wie Theaterbesuchern, die einen Klassiker sehen – die einen möchten eine moderne Interpretation, die anderen bevorzugen eine traditionell-klassische Umsetzung des Stoffes?
Bach: Ja. Die Menschen und ihre Geschmäcker sind verschieden. Das ist in der Kirche nicht anders als anderswo. Und dann gibt es natürlich auch immer Moden. Im Theater wurden eine Zeit lang alle Klassiker auf modern frisiert. Heute gibt es aber auch wieder Trends in die andere Richtung und Leute, die sagen, ich möchte den „Faust“ auch gerne mal wieder so sehen, wie Goethe ihn geschrieben hat – ich muss ihn nicht in die heutige Zeit übersetzt bekommen.

Längst wird in Kirchen nicht mehr nur gebetet und gepredigt – es gibt so genannte Kulturkirchen, in denen Popkonzerte und Lesungen stattfinden. Kirche als multifunktionale Location – können Sie damit etwas anfangen?
Bach: Damit kann ich sehr viel anfangen. Und auch wenn wir keine Kulturkirche sind, haben wir unser Gemeindehaus in den letzten Jahren in Richtung ,multifunktionale Location‘ entwickelt. Wir haben beispielsweise mit unserer Reihe ,Kultur am Donnerstag‘ ein sehr breit gefächertes Programm: Kabarett, Konzerte, Lesungen. Im Mai haben wir einen Zauberkünstler zu Gast. Im Gemeindehaus finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen und Kurse statt. Der Förderverein der Balkantrasse wird demnächst hier ein Benefizkonzert veranstalten.
Nachdenklich stimmt allerdings: Wir haben im letzten Jahr eine Mitgliederbefragung durchgeführt, bei der auf die Frage, was man von der Kirche erwartet, die Kultur eine untergeordnete Rolle spielte. Seelsorge und Gottesdienst wurden deutlich häufiger als Erwartungen an Kirche formuliert. Bleibt die Frage, wie das zu deuten ist? Ob von Kirche doch eher ein spirituelles Profil erwartet wird oder ob das einfach damit zusammenhängt, dass wir hier im Raum Leverkusen, Köln, Düsseldorf ein permanentes kulturelles Überangebot haben und von daher Kultur zunächst einmal keine primäre Erwartungshaltung an Kirche ist.
 
Sie sind in diesem Jahr 25 Jahre Pfarrer in Bergisch Neukirchen. Gibt es eigentlich einen genauen Jubiläumstag?
Bach: Mein erster Arbeitstag in Bergisch Neukirchen war der 1. April 1987. Man kann die 25 Jahre von dort an rechnen oder vom Tag meiner Einführung in die Pfarrstelle – das war der 14. Juni 1987.

Sind Sie schnell heimisch geworden in Bergisch Neukirchen?
Bach: Als Pfarrer öffnen sich einem Türen, die sonst verschlossen bleiben. So hat man sehr schnell Zugang zu den unterschiedlichsten Menschen. Ich erlebe das immer als etwas Faszinierendes und Schönes, wie sehr sich Menschen über den Besuch des Pfarrers freuen. Sonst hat ja Bergisch Neukirchen und Pattscheid traditionellerweise das Image, dass alle als ,neu‘ gelten, die noch nicht mindestens 40 Jahre hier wohnen. Das habe ich nie erlebt. Aber zu Ihrer Frage: Ich denke, ich bin eher unmerklich hier heimisch geworden. Inzwischen ist Bergisch Neukirchen der Ort, an dem ich am längsten gelebt habe. Und ich lebe sehr gerne hier.

Wie hat sich die Gemeinde entwickelt in den vergangenen 25 Jahren?
Bach: Ich habe befürchtet, dass Sie diese Frage stellen. Weil man ja als direkt Beteiligter keinen Blick von außen auf die Gemeinde werfen kann, ist das gar nicht so leicht zu sagen. Was die Mitgliedszahlen betrifft, ist die Gemeinde in den 25 Jahren deutlich kleiner geworden. Wir hatten vor 25 Jahren ungefähr 1.000 Gemeindemitglieder mehr. Damals gab es in Pattscheid noch ein Gemeindehaus. Inzwischen steht dieses Haus schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Aufgrund des demographischen Wandels wird sich der rückläufige Trend im Blick auf die Mitgliedszahlen auch fortsetzen.
Betrachtet man die 25 Jahre aus dem Blickwinkel der Aktiven und Aktivitäten, ist kein Schrumpfungsprozess festzustellen. Manches hat sich verwandelt, und es sind viele Aktivitäten hinzugekommen. Was für uns in diesem Zusammenhang sicher ein ganz großer Schub war, war der Umbau des Gemeindehauses. Das neue Gemeindehaus hat uns neue Möglichkeiten eröffnet und neue Projekte nach sich gezogen. Es bleibt also festzuhalten: Kleiner heißt nicht weniger aktiv. Sehr dankbar sind wir für die ehrenamtlich Tätigen. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren nicht abgenommen.

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