Bergisch Neukirchener Gespräche

06.03.2012, 20.58 Uhr

Direkt in die Seele
Ein Gespräch über Musik mit dem Dirigenten und Pianisten Dirk Joeres
(cj) Was bedeutet uns Musik? Wie hat sich die Rezeption von Musik verändert? Und wie kann man heute noch jemanden für klassische Musik begeistern? – Ein Gespräch über Musik mit dem Dirigenten und Pianisten Dirk Joeres, der seit vielen Jahren in Hüscheid lebt.

Dirk Joeres, 1947 in Bonn geboren, lebt seit 1984 in Bergisch Neukirchen-Hüscheid. Er studierte Dirigieren und Klavier in Berlin, Köln und London sowie Komposition in Paris. 1972 begann er eine sehr erfolgreiche pianistische Tätigkeit. Tourneen führten ihn in zahlreiche europäische Länder und in die USA. Daneben etablierte er sich zusehends auch als Dirigent.

Seit 1987 ist Joeres Künstlerischer Leiter der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen. Mit diesem Orchester konzertierte er in den großen Sälen vom Amsterdamer Concertgebouw bis zum Wiener Musikvereinssaal, von der Berliner Philharmonie bis zum Kennedy Center Washington sowie bei Festivals wie Schleswig-Holstein, City of London und Beethovenfest Bonn. 2000 wurde er zum Associate Conductor des Royal Philharmonic Orchestra London ernannt, 2007 dessen ständiger Gastdirigent.
Mit dem KlassikSonntag hat Dirk Joeres vor einigen Jahren in Leverkusen zudem eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die in einer Kombination aus Einführungsmatinee im Schloss Morsbroich, anschließendem Mittagessen im Schloss-Restaurant, öffentlicher Generalprobe und Konzert im Forum schnell zu einem großen Publikumserfolg wurde.

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Herr Joeres, warum ist Musik so wichtig?
Joeres: Das ist ja gleich zu Beginn eine große Frage. Musik ist deshalb so wichtig, weil sie diejenige Kunst ist, die vielleicht am unmittelbarsten Schichten im Menschen anspricht, die sowohl im Alltag als auch in der Begegnung mit anderen Künsten nicht so direkt angesprochen werden. Emotionen zum Beispiel. Da ist die Musik eben diejenige Kunst, die die Seele direkt anrührt. Voraussetzung ist natürlich, dass man in der Lage ist, darauf auch anzusprechen. Das heißt, man darf keine Abwehrhaltung haben und zugekleistert sein mit irgendwelchen Vorurteilen.

Die viele Menschen bei der klassischen Musik haben...
Joeres: Ja, viele denken, das sei so was Hehres, Hohes, Heiliges. Da entsteht dann diese berühmte Schwellenangst. Diese Berührungsängste abzubauen, müssen wir Profis uns immer wieder zur Aufgabe machen. Denn – um noch einmal zu Ihrer ersten Frage zurückzukehren: Das hervorstechendste Merkmal der Musik ist, dass sie direkten Zugang zum Menschen hat über den Intellekt und über die Emotion.

Macht das den besonderen Zauber der klassischen Musik aus?
Joeres: Ja, es ist diese Symbiose. Man ist als Hörer wie als Interpret ständig herausgefordert, mit dem Herzen zu denken und mit dem Gehirn zu fühlen. Diese beiden Ebenen ständig zu verbinden, ist einer der Hauptreize bei der Klassik, deren große Werke mit höchstem Raffinement konzipiert und komponiert worden sind.

Hören Sie als Dirigent und Pianist, als Profi eben, anders Musik als der gewöhnliche Musikkonsument?
Joeres: Mit Sicherheit ist das eine andere Art des Hörens. Das professionelle Hören kann natürlich auch dazu führen, dass man Dinge in den Vordergrund rückt, die für einen Laien vielleicht gar nicht so wichtig sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Joeres: Wir hatten beim vergangenen KlassikSonntag die 8. Symphonie von Beethoven im Programm. Das ist ein Stück, das aus dem Kanon der Beethoven-Symphonien eigentlich rausfällt. Es nimmt eine Sonderstellung ein, weil es da ganz entschieden um das Phänomen des musikalischen Humors geht. Mit rein musikalischen Mitteln Humor zu erzeugen, ist gar nicht so einfach. Humor über die Sprache ist eine Sache, d.h. sie bauen bei einem Witz eine Erwartungshaltung auf, die dann irgendwann zerplatzt. Dann kommt das Schmunzeln oder das Lachen. Bei der Musik als nicht-begrifflicher Kunst ist das natürlich ganz anders. Da müssen sie andere Mittel nehmen. Die einzige Art, um dem Humor beizukommen mit rein musikalischen Mitteln, besteht darin, dass der Komponist gewisse Hörerwartungen erzeugt und die dann eben nicht erfüllt. Nur das Problem ist: Der Ansprechpartner des Komponisten, also der Hörer, muss natürlich diese Muster irgendwo im Kopf registriert haben, damit er die Abweichung erkennen kann. Und da wir als Profis tagtäglich mit diesen Dingen umgehen, haben wir natürlich einen Riesen-Vorrat an Patterns, an Mustern im Kopf. Jemand, der als Laie an ein Stück herangeht, hat das zunächst nicht. Wir als Interpreten sind also gefordert, uns wieder in den Zustand desjenigen zurückzuversetzen, der diese Musik vielleicht zum ersten Mal hört.

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