Die Balkantrasse

24.12.2011, 13.34 Uhr

„Es darf sich jetzt keiner zurücklehnen"
Ein Interview mit Otto Reintjes über den Umbau der Balkantrasse
(cj) Jetzt ist endlich alles in trockenen Tüchern: Am 21. Dezember hat die Stadt Leverkusen den Kaufvertrag mit der Deutschen Bahn besiegelt, der Umbau der Balkantrasse in einen Rad- und Wanderweg kann also vom Förderverein forciert in Angriff genommen werden. Es geht nun vor allem darum, das nötige Geld einzusammeln. Eine Aufgabe, um die sich vor allem Otto Reintjes kümmern wird. Wir haben mit dem ehemaligen Manager der Bayer-Basketballer gesprochen.


Leidenschaftlicher Radfahrer: Otto Reintjes
Er wurde als „Uli Hoeneß des Basketballs“ bezeichnet oder schlicht als „Mr. Basketball“: Otto Reintjes hat als Spieler, Trainer und Manager in Leverkusen über zwei Jahrzehnte Akzente wie kein Zweiter gesetzt. Unter ihm als Manager gewannen die Bayer-Basketballer zwischen 1980 und 2000 fünfzehn Titel (neunmal die deutsche Meisterschaft und sechmal den nationalen Pokal). Ab 2000 war der gebürtige Frankfurter fünf Jahre lang General Commissioner der Basketball-Bundesliga (BBL). Heute ist der 61-Jährige, der mit seiner Frau in Odenthal lebt, Privatier. Als leidenschaftlicher Radfahrer engagiert er sich seit der Gründung des „Vereins für Freunde und Förderer der Balkantrasse“ für den Umbau der ehemaligen Bahnstrecke in einen Rad- und Wanderweg. Reintjes ist beim Förderverein für die Akquise von Spenden zuständig, hat dort als „Geldbeschaffer“ also einen der wichtigsten ehrenamtlichen Jobs.

Ein Interview mit Otto Reintjes über den finanziellen Stand der Dinge, „Klinkenputzerei“ und die nächsten geplanten Aktionen in Sachen Balkantrasse.


Herr Reintjes, noch im Mai dieses Jahres haben Sie auf der Mitgliederversammlung des Fördervereins ein bisschen auf die Euphoriebremse getreten und gemahnt, dass der Verein vor einer gewaltigen Aufgabe stehe. Nun verfügen Sie bereits über 285.000 Euro und müssen „nur“ noch rund 150.000 Euro aufbringen. Hätten Sie das für möglich gehalten?
Reintjes: Ich bin nicht wirklich überrascht. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass ein großer Brocken der Summe als Zuschuss der Deutschen Bahn für die Brückensanierung schon bezahlt wurde. Das ist schon mal eine enorme Entlastung. Nach wie vor betrachte ich es aber als Mammut-Aufgabe, die komplette Summe zusammen zu bekommen. Ich sag‘s mal so: Wir sind guten Mutes, aber es bleibt eine große Herausforderung.

Die Stadt hat den Kaufvertrag mit der Deutschen Bahn nun unterschrieben. Der große Durchbruch, auf den der Förderverein so lange hingearbeitet hat, ist also geschafft. Das ist doch eine wunderbare Bescherung so kurz vor Weihnachten...
Reintjes: Das ist ein großer Erfolg, keine Frage. Aber es darf sich jetzt keiner zurücklehnen. Wir müssen aufpassen, dass wir nun, wo vertraglich alles in trockenen Tüchern ist und unsere Aufklärungsarbeit bei der Stadt und beim Stadtkämmerer offensichtlich gefruchtet hat, nicht meinen, nun sei bereits alles durch. Das hört man allenthalben an den Tischen und das ist fatal. Es ist noch gar nichts durch. Jetzt beginnt die eigentliche Klinkenputzerei erst. Und da bin ich der festen Überzeugung, dass wir noch mehr als bisher schon zu einer Bürgerbewegung werden müssen.

Wie sieht diese Klinkenputzerei denn aus?
Reintjes: Wir können jetzt zu Firmen und Privatpersonen gehen und ihnen sagen: Die Stadt hat unterschrieben, jetzt müsst Ihr helfen, dann kriegen wir es hin.

Wie ist das Feedback bisher?
Reintjes: Noch sehr bescheiden, was die großen Unternehmen angeht. Wir haben natürlich alle entsprechenden Firmen in Leverkusen und Umgebung bereits angeschrieben und über persönliche Beziehungen kontaktiert. Aber es läuft noch schleppend. Man muss ja eines auch mal sehen: Wir bewegen uns bei unseren Bemühungen um Geldzuwendungen nicht im Bereich des Sponsorings, weil wir den Unternehmen keine Kommunikationsleistungen zurückgeben können. Im Grunde genommen ist das, was wir tun, eine Art Fundraising. Das heißt, wir müssen Firmen und Privatpersonen davon überzeugen, dass der Ausbau zum Radweg eine Erhöhung der Lebensqualität darstellt für alle Bürger. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, dass die Stadt bekanntermaßen finanziell sehr klamm ist und der Bürgermeister versucht, Unternehmen für Projekte wir die Bahnstadt zu gewinnen. Die Rheindorfer haben ihre Probleme, für den Erhalt des Freibades Auermühle hat sich ein Initiativkreis gegründet. Das heißt, wir befinden uns in Konkurrenz zu einigen anderen städtischen Projekten und Initiativen, wo jeder versuchen muss, den anderen im Bemühen um Spenden und das Wohlwollen von Firmen auszustechen. Das macht die Sache schwierig.

Da ist vor allem viel Phantasie gefragt...
Reintjes: Ja, und ich denke, wir vom Förderverein Balkantrasse haben auch schon einige innovative Ideen entwickelt. Wir bleiben natürlich auch bei den großen Firmen am Ball. Aber, wie gesagt, vor allem geht es darum, zu einer großen Bürgerbewegung zu werden. Und da sind wir auf einem guten Weg mit unseren 1.200 Mitgliedern.

Warum engagieren Sie sich eigentlich für den Förderverein?
Reintjes: Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und hatte schon viele private Touren gemacht, vor allem mit meiner Frau. Vor vier Jahren lernte ich den ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, die Red.) kennen, wurde Mitglied und war dann irgendwann mal auf dieser Fahrradmesse, die sie einmal im Jahr veranstalten. Dort habe ich dann erstmals von der Initiative für die Balkantrasse gehört und dachte mir, gut, du hast jetzt ein bisschen Zeit, das ist eine tolle Sache, da machst du mit.

Als ehemaliger und extrem erfolgreicher Manager der Bayer-Basketballer und Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) sind Sie geradezu prädestiniert für diesen Job als Geldbeschaffer beim Förderverein. Vermutlich hat Ihr Beitritt viel Freude aber auch hohe Erwartungen ausgelöst...
Reintjes: ... die ich aber gleich versucht habe zu bremsen. Denn mir war von Anfang an klar, dass es sehr, sehr schwer werden würde. Sehen Sie, ich habe mich bei den Bayer-Basketballern 20 Jahre um Sponsoring gekümmert und anschließend fünf Jahre lang bei der BBL. Nur - wie schon gesagt - was wir hier im Förderverein machen, hat eigentlich mit Sponsoring nichts zu tun. Wir sind hier auf viel Good Will angewiesen. Ich habe versucht, ein bisschen Struktur in den Aktivenkreis zu bringen, der ja zutiefst basisdemokratisch an die Sache herangegangen ist. Dagegen ist im Prinzip auch nichts einzuwenden. Aber man braucht natürlich schon eine Art Organigramm, man braucht einen Vorstand, eine Öffentlichkeitsarbeit, einen Arbeitskreis Geldbeschaffung und und und.

Dennoch können Sie vermutlich noch einige Ihrer Kontakte nutzen...
Reintjes: Natürlich, den ein oder anderen haben wir auch schon genutzt. Aber auch das darf man sich nicht so einfach vorstellen. Ein Beispiel: Wir hatten mal eine kleine Werbeaktion mit den Triathleten vom TSV Bayer 04 für die Balkantrasse, weil die auf dem Radweg natürlich auch gut laufen können. Als ich dann aber mal nach einer Adresse von einem Sponsoren des TSV fragte, wurde mir gesagt, mensch Otto, du kannst dich doch nicht an unsere Sponsoren heranschmeißen, die brauchen wir doch selbst. Und so geht es einem ja immer wieder. Ob man sich nun an die WGL, die avea oder die Sparkasse Leverkusen wendet - dort fragt ja jeder an. Ich glaube aber, dass wir eine ganz gute Mischung gefunden haben und dass auch in 2012 noch einiges dazu kommen wird. Es sollte nur keiner erwarten, dass etwa die Bayer AG mal eben 50.000 oder 60.000 Euro spendet. Das wird nicht passieren. Wir haben aber 300 Ärzte in Leverkusen angeschrieben, Rechtsanwälte, Apotheken – Berufsgruppen also, die es sich finanziell leisten können und ein Interesse an Leverkusen haben. Wir werden uns auch an die Krankenkassen wenden und an überregionale Radsponsoren.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus? Bis wann sollte die Finanzierung stehen?
Reintjes: Bis Ende 2012 möchten wir die Summe zusammen haben.

Welche Schritte sind als nächste geplant?
Reintjes: Zwei Dinge: Wir haben eine Art Aktie entworfen, einen von uns so genannten Anteilschein, den Bürger erwerben und damit den Umbau der Trasse Meter für Meter mit finanzieren können. Da wird es mehrere Kategorien geben. Dies zielt ganz klar in Richtung Bürgerbewegung, weil wir der Überzeugung sind, dass wir den Umbau über die Breite finanziell stemmen müssen. Anfang Januar werden wir das Projekt Anteilsschein in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellen.
Außerdem wollen wir die Balkantrasse jetzt, wo wir das Begehungsrecht haben, erlebbar machen für die Bürger. Bislang war das immer noch ein bisschen abstrakt. Nun möchten wir bald eine kleine Eröffnungsfeier machen, indem wir einen Bereich der Trasse als Schneise freischneiden und den Bürgern ein bisschen was zeigen können. Im Mai oder Juni ist ein Konzert geplant. Das sind Aktionen, mit denen wir werben wollen für die Trasse, den Geschmack wecken wollen bei den Leuten.

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Bisherige Kommentare

26.12.2011, 11:41 Uhr - Schröder, Walter
Dank an die Aktiven im Förderverein. In
unzähligen Stunden der Beharrlichkeit ist
ein Ziel erreicht worden. Die Stadt bekommt vom Land NRW und dem Förderverein
ein Grundstück von 161000 m² geschenkt.
U.a. eine touristische Attraktion, die bis weit ins Bergische Land zu nutzen ist.
Ich teile die Meinung von Herrn Reintjes, der die Hoffnung ausspricht, dass eine Bürgerbewegung die Restfinanzierung aufbringen kann. Für die in meiner Person anstehenden Feierlichkeiten im Jahre 2012 wünsche ich mir als Geschenk Anteilscheine an der Trasse.

Walter Schröder
stellv. Bezirksvorsteher Bez. II

 

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