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10.11.2011, 22.20 Uhr

Die große Familie
Wie die Volksbühne Bergisch Neukirchen immer wieder zu begeistern weiß
(cj) Am vergangenen Wochenende haben sie ihre achte und letzte Aufführung hinter sich gebracht. Wie immer in einer prächtig gefüllten Festhalle am Opladener Marktplatz. Und wie immer sind die Darstellerinnen und Darsteller mit viel Applaus verabschiedet worden.


Regisseur Marc Gruppe und sein Ensemble bei einer Probe
Der derbe Humor des alten Volksstückes, die gesanglich beeindruckenden Leistungen und - natürlich - die Ausstattung des ganzen Spektakels hatte die Zuschauer in ihren Bann gezogen. „Das Wirtshaus im Spessart“, von der Volksbühne Bergisch Neukirchen nach Motiven des gleichnamigen Kurt-Hoffmann-Films aus den 50er Jahren als Musical umgesetzt, war ein voller Erfolg.
Was an sich schon gar nicht mehr wundert. Schließlich ist man von der Volksbühne beste Qualität über Jahrzehnte gewohnt.

Stets, wenn im Herbst und Winter eines jeden Jahres sich Produktion an Produktion reiht, läuft dieses Laientheater im besten Sinne zur Hochform auf. Die Zuschauer freut‘s, sie lassen sich gerne entführen in nahe und ferne Welten und staunen immer wieder über die mit so viel Liebe zum Detail, mit so viel Leidenschaft und so viel Talent und Professionalität dargebotenen Stücke.

Viel Arbeit im Hintergrund

Wie viel Arbeit dahinter steckt, können vielleicht nur die wenigsten ermessen. Was ja nun auch wieder als Gütesiegel der Leistung verstanden werden kann. Denn wenn‘s leicht und locker daherkommt, hat sich die harte Arbeit gelohnt. Und harte Arbeit steckt hinter jeder neuen Aufführung der Volksbühne. Das bezieht sich beileibe nicht nur auf die Schauspieler, Sänger, Chormitglieder und Regisseure. Auch die Leute im Hintergrund, die Bühnen- und Kostümbildner vollbringen in kurzer Zeit Bemerkenswertes.

Nehmen wir zum Beispiel Hans-Jürgen Hüsken. Die Stunden gezählt hat er noch nie. Und es werden sich viele, viele angesammelt haben in den vergangenen Jahren. Stunden, die er im Blaumann verbracht hat, in den Garagen hinter dem DRK-Haus, wo sich die hauseigenen Werkstätten und Lagerhallen der Volksbühne Bergisch Neukirchen befinden. Hier tüftelt, konstruiert, baut und streicht Hüsken für die Bühnenbilder der Theaterstücke, Musicals und Märchen, die die Volksbühne gerade im Repertoire hat. Von rustikal bis filigran, vom einfachen Treppengeländer bis zur handwerklich anspruchsvollen Windmühle - Hüsken hat ein Händchen für alles.

Ein Theater für die ganze Familie

Der ehemalige Werkstattleiter bei AGFA widmet seit seiner Pensionierung einen Großteil seiner Zeit der Arbeit für die Volksbühne.„Weil es mir große Freude bereitet, im Zusammenspiel mit so vielen anderen Menschen etwas Schönes auf die Beine zu stellen", sagt der 62-Jährige. 

So viel Zeit kann er freilich auch nur in die Waagschale werfen, weil seine Frau Gretel es ihm nachsieht. Und das tut sie, weil sie selber als Kostümnäherin unschätzbare Dienste für die Volksbühne leistet. Die Hüskens sind ein Paradebeispiel für das „System Volksbühne“. Wer sich einmal infiziert hat, der steckt den Partner und nicht selten auch die Kinder und Enkelkinder gleich mit an. So wird im Falle Hüsken Enkelsohn Maximilian demnächst seine Bühnen-Premiere im Grimm-Märchen „Der gestiefelte Kater“ geben, für das Opa Hans-Jürgen unter anderem die ziemlich aufwändige Windmühle gebaut und Oma Gretel farbenfrohe Kostüme genäht hat.

Viele Mitglieder sind auch in Doppelfunktion, also sowohl auf als auch hinter der Bühne tätig. Michael Schleimer etwa, der beim Bühnenbau „fürs Künstlerische zuständig“ ist, wie Hans-Jürgen Hüsken sagt, trat im „Wirtshaus“ auch in der Rolle des Lulatsch in Erscheinung. Dietmar Ellrich, ebenfalls seit vielen Jahren für Aufbau, Technik und „Logistik“ verantwortlich, spielte auf der Bühne die kleine Nebenrolle des „Bullenbeißers“. Und seine Frau Tanja, eine begnadete Sängerin, die bei der Premiere des „Wirtshauses“ ihren 400.(!) Bühnenauftritt für die Volksbühne feierte und in der Vergangenheit zahlreiche Hauptrollen gespielt hatte, gab das „Räuberliebchen“ Bettina. Deren Mutter Renate Hölzer wiederum hatte den guten Ruf der Volksbühne mitbegründet – als Sängerin, Hauptdarstellerin und Kostümbildnerin. Auch Papa Manfred war viele Jahre mit an Bord.
Und so könnte man viele Familien aufzählen, die über Generationen ihre Liebe zur Volksbühne gepflegt und weitergegeben haben.

Die pure Lust

„Alle, die hier mitwirken, tun dies mit viel Herzblut“, sagt Polonca Olczak, die im „Wirtshaus“ die Hauptrolle der Franziska von Sandau sang und spielte. „Es gibt keinen Konkurrenzkampf, kein Abarbeiten, keine lästige Pflicht, sondern einfach die pure Lust am gemeinsamen Spiel, an den gemeinsamen Proben.“
Versteht sich fast von selbst, dass die ausgebildete Sängerin aus Solingen nicht nur die Hauptrolle im „Wirtshaus“ spielte, sondern nebenbei auch noch für die Kostüme verantwortlich zeichnete.

Für das „Wirtshaus“ standen inklusive Chor, Ballett und Solisten rund 50 Mitwirkende auf der Bühne. Dazu kamen 22 Musikerinnen und Musiker im Orchester. Die Proben hatten bereits im April begonnen – unter der Regie von Marc Gruppe. Auch wieder so einer von den Leib-und-Seele-Volksbühnlern. Auch er fing einst als Kind in einem Märchen an. Später studierte er Theaterwissenschaft, seit 2002 ist er leitender Regisseur der Volksbühne und nebenbei - natürlich - auch Schauspieler. Was gespielt wird, sucht er aus. „Ich richte mich bei der Auswahl immer auch nach der Verfügbarkeit der Solisten“, sagt Gruppe. Gesanglich sehr anspruchsvolle Stücke sind eben nicht immer drin. „Und da wir im vergangenen Jahr mit dem ,Camelot‘ ein recht schweres Stück im Repertoire hatten, sollte es diesmal etwas leichter Bekömmliches sein.“
Die Rechnung ist mal wieder aufgegangen.

Der gestiefelte Kater im Anmarsch

Während sich die meisten großen Darstellerinnen und Darsteller nun erst mal eine längere Pause bis zum nächsten Probenbeginn im kommenden Jahr gönnen können, geht es für die jüngsten Mitglieder weiter mit dem „gestiefelten Kater“, der von Dana Fischer bearbeitet wurde und am 19. November (und an den darauf folgenden Wochenenden bis einschließlich 11. Dezember) ebenfalls in der Festhalle am Opladener Markt Premiere feiert. Es ist bereits die 44. Märcheninszenierung der Volksbühne, die wie immer unter dem Motto „Kinder spielen für Kinder“ steht.

Gleich im Januar folgen dann - wegen des riesigen Erfolges in der vergangenen Spielzeit - noch einmal drei Aufführungen der Komödie „Ganze Kerle“ (20. bis 22. Januar 2012), die auch jetzt schon wieder ausverkauft sind.
Es bleibt also viel zu tun. Und Leute wie Hans-Jürgen Hüsken werden selbstverständlich wieder mit anpacken.

 

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