Aktuelles

01.10.2011, 00.26 Uhr

Noch alles offen
Ratsmitglieder zu Gast bei der 2. Bürgerinfo zum Thema Edeka-Markt
(cj) Wie schwer es doch manchmal ist, auf einfache Fragen ebensolche Antworten zu erhalten. Die 2. Bürgerinfo vom 29. September zum Thema „Braucht Bergisch Neukirchen einen großen Edeka-Markt im Siefen?“ war mal wieder ein schönes Beispiel: Ratsmitglieder von CDU, FDP, Die Grünen, Die Linke und Opladen Plus waren dankenswerterweise ins Evangelische Gemeindehaus gekommen, um Stellung zu beziehen. Zuvor hatte die Bürgerinitiative „Wir für Bergisch Neukirchen“ eine Ortsbegehung durchgeführt, bei der mit Hilfe von Luftballons auch die zu erwartende Höhe des geplanten Neubaus im Siefen simuliert wurde.


Das Podium mit Vertretern der Bürgerinitiative, der Ratsfraktionen und des NABU
Wesentlich schlauer als zuvor dürften die meisten Teilnehmer der Veranstaltung dennoch nicht nach Hause gegangen sein. Immerhin: Es sei noch gar nichts entschieden in Sachen Edeka-Markt, man stünde noch ganz am Anfang der Planung und müsse noch einige Gutachten abwarten - versicherten unisono Albrecht Omankowsky von der CDU, Dirk Danlowski von den „Grünen“ und Jochen Ries von der FDP.

Unmut provoziert

Gleichwohl machten insbesondere Omankowsky und Ries keinen Hehl daraus, dass sie einem größeren Supermarkt im Siefen durchaus positiv gegenüberstehen. Omankowsky gab sich rigoros: „Es gibt hier keine Kaltluftschneise, es gibt auch keinen Siefen“, behauptete der CDU-Politiker. Und legte noch einen obendrauf: „Die Umgebung ist hier geprägt von drei bis achtgeschossigen Mietshäusern.“ Äußerungen, die den Unmut des Publikums provozierten. Und wohl auch die Befürchtung von Andreas Salge bestätigten, der in seiner Anmoderation bedauerte: „Die Politik ignoriert uns bis jetzt leider.“

Aber nun waren sie ja gekommen, die Vertreter der Ratsfraktionen. Zumindest einige von ihnen. Und untätig war die Bürgerinitiative ja seit der letzten Infoveranstaltung vom Mai dieses Jahres auch nicht gewesen. Rund 1.000 Unterschriften gegen den geplanten Edeka-Markt an der Wuppertalstraße hat die Bürgerinitiative bislang gesammelt.

Um anschaulich zu machen, was von einer solchen Zahl zu halten ist, warf Salge einen Blick auf die Kommunalwahl von 2009. „Bergisch Neukirchen hatte 5.593 Wahlberechtigte, 3.342 gingen zur Wahl, die CDU als stärkste Partei erhielt damals etwas über 1.000 Stimmen. Diese Zahl kann sich also durchaus sehen lassen und unterstreicht den großen Rückhalt, den wir in der Bergisch Neukirchener Bevölkerung haben.“

Immer noch offene Fragen

Mit dieser weiter fortlaufenden Unterschriftenaktion seien die Aktivitäten der Bürgerinitiative aber noch längst nicht erschöpft. Man werde die Diskussion mit der Politik weiter am Laufen halten, versprach Salge.

Bei dieser 2. Bürgerinfo aber blieben die Kernfragen weiterhin ohne befriedigende Antwort.

- Warum rückt die Stadt Leverkusen von ihrem 2007 erstellten Nahversorgungskonzept ab, in dem festgehalten wurde, dass für die Ansiedelung eines Supermarktes keine Notwendigkeit bestehe und Bergisch Neukirchen ausreichend versorgt sei? Eine Frage, die vor dem Hintegrund des inzwischen gebauten Aldi-Marktes umso berechtigter erscheint.

- Warum soll der Flächennutzungsplan von 2006, der auf Langfristigkeit angelegt ist und in dem eine Freihaltung der Siefen-Fläche beschlossen wurde, plötzlich keine Bedeutung mehr haben bzw. geändert werden?

Kritik am Zustand des Edeka-Marktes

Antworten darauf gab es an diesem Abend im Evangelischen Gemeindehaus nicht. Vielmehr eine Vielfalt an Meinungen. Dass der Edeka-Markt in seiner jetzigen Form nicht wettbewerbsfähig ist, war unbestritten. Auseinander gingen die Meinungen aber in der Frage nach dem Warum. Zu klein meinten die Einen, zu schlecht gemanagt die Anderen, die sich deutlich in der Mehrheit befanden und in zahlreichen Wortmeldungen ihrem Ärger über die mangelhafte Führung des derzeitigen Edeka Ausdruck verliehen.

„Dass auch Edeka-Märkte in der Größenordnung unseres Marktes durchaus profitabel und gut wirtschaften können, zeigen die Beispiele in Paffrath und Lützenkirchen“, sagte Markus Willeke von der Bürgerinitiative.

Dipl. Ing. Martin Pässler vom Investor –, der einen 1.200 qm großen Markt nach Witzheldener Vorbild bauen möchte –, hingegen betonte, dass man sich „sehr bemüht habe, eine gute Alternative zum jetzigen Standort zu präsentieren“.

Erheblicher Eingriff

Diese Alternative würde freilich nach Meinung der ebenfalls auf dem Podium vertretenen NABU (Naturschutzbund)-Mitglieder einen erheblichen Eingriff in die Natur bedeuten, der nicht zu begrüßen sei. „NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat erst kürzlich darauf hingewiesen, dass in NRW täglich 11,5 Hektar unbebauter Fläche verloren gehen. Das entspricht 16einhalb Fußballfeldern – täglich“, sagte Erich Schulz vom NABU und schloss die Bitte an: „Lasst dieses Stückchen Land offen für die Leute, die hier leben.“
Ein Gutachten der Universität Bonn aus dem Jahr 2000 belegt zudem, dass es sich beim Siefen sehr wohl um eine wichtige Kaltluftschneise handelt.

Im Gesetz sei verankert, dass vermeidbare Eingriffe in die Natur durch großflächigen Einzelhandel zu unterlassen seien, betonte Stadtplaner Stefan Fuchs, der für die Bürgerinitiative mehrere andere Standortvorschläge (ehemalige Gärtnerei Zeidler, Hallenbad Bergisch-Neukirchen, Umbau des jetzigen Edeka) erarbeitet hatte.
„Und hierbei handelt es sich um einen vermeidbaren Eingriff, weil es eben zahlreiche Alternativen zum geplanten Standort gibt.“

Ein Kleinod

Auf wenig Verständnis bei den Teilnehmern stieß erneut das Vorhaben, Seniorenwohnungen über dem geplanten Edeka zu bauen. „Es ist für Senioren durchaus nicht das Glück auf Erden, wenn sie links einen Aldi und unter sich einen Edeka haben“, fand ein Bergisch Neukirchener.
Und denen, die sich über das Angebot im derzeitigen Edeka-Markt beschwerten, gab die Quettingerin Manuela Mauckner etwas Bedenkenswertes zur Antwort: „Vergessen Sie doch die wunderbaren Hofläden in Bergisch Neukirchen nicht. Dort bekommen Sie erstklassige, regionale Ware. Ich komme aus Quettingen zum Einkaufen nach Bergisch Neukirchen. Sie haben ein Kleinod hier.“

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Bisherige Kommentare

18.10.2011, 15:43 Uhr - Jens Scholtz
Welch' ein Rückschlag:

Nun wurde unabhängig und offiziell festgehalten das es an besagter Stelle keine Frischluftschneise gibt. Damit fällt wieder ein Argument der Bürgerinitative - oder werden fortan Gegengutachten beauftragt bis das gewünschte Ergebnis produziert wird?

Ich bin gespannt wie es weitergeht...

Die Anonymität gebe ich gern auf. Wozu dies allerdings gut sein soll - ich weiß es nicht.

Freundliche Grüße,
Jens Scholtz
10.10.2011, 16:32 Uhr - Stefan Kaufmann
Sehr geehrter Herr Jens S.,

nach meinem Eindruck ist die Diskussion zwischen den Befürwortern und den Gegnern des geplanten Supermarktes immer in einem fairen und sachlichen Ton geführt worden. Hieran sollten Sie sich ein Beispiel nehmen und den Mitgliedern der Bürgerinitiative keine unlauteren Interessen unterstellen, nur weil Sie offensichtlich in der Sache eine andere Meinung vertreten.
Es ist einfach aus der Deckung der Anonymität zu kritisieren und engagierte Mitbürger zu diskreditieren. Da Sie nicht einmal die Courage haben Ihren vollständigen Namen zu nennen, sollten Sie es unterlassen, eínzelne Mitglieder der Bürgerinitiative persönlich anzugreifen. Im Übrigen ist unsachliche Kritik der Sache nicht dienlich - unabhängig vom jeweiligen Standpunkt.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Kaufmann
01.10.2011, 22:55 Uhr - Andreas Salge
Sehr geehrter Herr Jens S.,

der Dormunder Gast war ein Begleiter von Frau Tietz (die LINKE) und nicht von der Bürgerinitiative 'bestellt' worden.
Der 'Gutmensch'und schlechte Moderator Andreas Salge würde sich freuen, wenn Sie aus der Anomymität herauskommen würden und sich direkt bei mir oder bei der Bürgerinitiative melden würden. Dann könnten wir Ihre Punkte offen besprechen.
Die beabsichtigten Bebauungs- und Flächennutzungsplanänderungen müssen von den gewählten Kommunalpoliktern genehmigt werden. 1000 Bürgerunterschriften (Wähler) sind unserer Meinung nach schon eine klare Meinungsäußerung.

Mit freundlichen Grüssen
Andreas Salge
01.10.2011, 17:12 Uhr - Jens S.
Der Einstieg in die Diskussion mit den Protagonisten der "Contra-Fraktion" wäre fruchtlos geblieben - es gab schlichtweg keine Diskussionsgrundlage ohne Investor und valide, aktuell gültige Gutachten zu den diversen Themen. Wenn letztere vorliegen ist die Sachlage sicher eine andere. Dann macht es sicher Sinn über einen Plan zu diskutieren. Bis dahin sollte die Bürgerinitative kurz durchzählen wie viele Wohneinheiten am Birkenweg, Akazienweg, etc. in der Dimension der 3- bis 8-Geschossigkeit zu finden sind. Ich tippe auf ca. ein Duzend Gebäude mit mehr als 100 Wohneinheiten.

Auf Basis der aktuellen Grundlage war der Abend im Gemeindehaus nichts weiter als ein - völlig legitimes, aber substanzloses - Schulterklopfen der Bürgerinitiative.

MfG,
Jens S.
01.10.2011, 13:29 Uhr - Mark Hoyer
Ich weiss nicht, auf welcher Veranstaltung Jens S. war. Wenn alles so schlecht war, hätte man durchaus durch eigene qualitative Aussagen zu einer vermeintlichen Verbesserung der Veranstaltung beitragen können. Diese Möglichkeit hatte jeder.

Mir selbst hat die Veranstaltung gut gefallen. Aus meiner Sicht wurde deutlich, dass die Politik keine nachvollziehbaren Argumente liefern kann, warum überhaupt eine Bebauung, in welcher Form auch immer, stattfinden soll. Ein offensichtlich momentan nicht funktionierender EDEKA kann doch wohl nicht das Argument für den Bau eines neuen EDEDKA sein. Statt einen neuen Marktteilnehmer zu unterstützen sollte man lieber die bereits ansässigen Marktteilnehmer fördern. Die derzeitige Versorgungslage ist grundsätzlich ausreichend. Dies wurde seitens der Politik - bereits vor Ansiedlung von ALDI - bereits festgestellt. An eine Verbesserung der Verkehrsflüsse kann aus meiner Sicht auch keiner ernsthaft glauben. Ein neuer Markt in entsprechender Größe wird mit Kunden, die zu Fuss kommen, nicht wirtschaftlich zu betreiben sein. Solch ein Markt ist auf Menge ausgerichtet, d.h. große Umsätze und viele Kunden. Von daher wird eine Zunahme des Verkehrs zwangsläufig die Folge sein. Es bleibt der Eindruck, dass die Politik einzig und allein das Ziel verfolgt, durch einen Grundstücksverkauf die Finanzlage zu verbessern. Ich jedenfalls wünsche der Bürgerinitiative weiterhin viel Erfolg
01.10.2011, 10:57 Uhr - Jens S.
Journalistisch schwach: Fakten verdreht und nicht neutral in der Sache. Tatsache ist, dass durchaus die Mehrheit der Anwesenden gegen jede Art von Erweiterung sind. Teilweise aus wirtschaftlichen Interessen (Wilecke) oder auch nur in der Rolle des ortsansässigen Gutmenschen (Salge).

Das die Veranstaltung sinnlos war und obendrein schlecht moderiert wurde - geschenkt! Was bringt es im "Stuhlkreis" 9 Gegner und drei neutrale (da ohne wirtschaftliches Interesse) Positionen zu platzieren?

Sinnvolle (konstruktive) Fragen aus dem Auditorium waren ebenfalls nicht gegenwärtig. Plausible Argumentationlinien sowieso nicht. Welche Qualität hat bspw. die Aussage "...und ich wohne hier schon seit 30 Jahren!"

Highlight des Abends war der Auftritt eines Herren aus Dortmund, der zwar nicht ortsansässig sei - aber bei der Ortsbegehung einen Frosch gesehen hatte. Unqualifiziert und in der Art des Vortrags wirkte es aufgesetzt bzw. Wie von der Bürgerinitiative bestellt.

Bei derart schlechten Protagonisten und Veranstaltungen gegen den Supermak freue ich mich auf den neuen Markt. Egal in welcher Form...

Hochachtungsvoll,
Jens S.

 

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