Leute, Leute

27.06.2011, 23.16 Uhr

Der König von PaRoLi
Stefan „Leo“ Thiel
(cj) Dass er die „Linde“ irgendwann mal übernehmen würde, war nun wahrlich keine Überraschung, sondern hatte eine Art von Zwangsläufigkeit. Stefan „Leo“ Thiel gehörte schon mit 15 zu den Gästen der Kneipe. Bereits damals war die „Linde“ eine Dorfwirtschaft im besten Sinne.


Treffpunkt für mehrere Generationen, die vor allem aus dem Dorf kamen, von nebenan, aber auch aus dem nahen Burscheid, aus Bergisch Neukirchen oder noch entfernteren Stadtteilen Leverkusens. Oder - wie Stefan Thiel - aus Kuckenberg. Was ja quasi auch zur direkten Nachbarschaft zählte. Eine Gastwirtschaft, die viele – damals wie heute – als zweites Wohnzimmer betrachten. „Das hat mir früher schon gefallen, dass hier alle Altersklassen vertreten waren und prima miteinander auskamen“, sagt Thiel.

Enormes Stammgäste-Potenzial

Vor zehn Jahren, nach 25-jähriger Stammkundschaft, kaufte er die Linde samt dazugehörigem Haus von seinem Vorgänger Jörg Scherneck. „Was nicht einfach zu stemmen war, weil es eben doch ein ganz schön teurer Spaß wurde“. Aber lange überlegen musste Stefan Thiel nun auch wieder nicht. Für den gelernten Schreiner war die „Linde“ ja über Jahre weit mehr als nur ein zweites Zuhause. Und bereut hat er den Schritt in die Selbständigkeit trotz aller Mühen bis heute nicht. Der Laden brummt (meistens), das Stammgäste-Potenzial ist enorm, der Wohlfühlfaktor hoch.

Die Nachbarn, Gäste, Freunde wissen den Einsatz ihres Wirtes zu schätzen. Man kann und möchte sich diesen Flecken vor der Stadtgrenze zu Burscheid ohne die „Linde“ gar nicht vorstellen. Diesen letzten Außenposten Leverkusens in nördlicher Richtung. Wo sonst sollte man Fußball gucken unter so vielen Gleichgesinnten und auf so schönen großen Leinwänden?

Die Linde ist nämlich auch eine Bayer 04-Kneipe. Und das, obwohl Stefan Thiels Herz schon seit Ewigkeiten für den HSV schlägt. Der Mann ist eben tolerant.
Wo sonst sollte man so gepflegt gut-bürgerlich essen gehen, wo sonst sich zum Kegeln treffen (in der Linde sind 20 Kegelclubs beheimatet), wo sonst so cool und deftig abfeiern an Karneval wie hier? Und: Wo sonst sollte man sich in vertrautem Kreise so aufgehoben fühlen?

Ein rundes Jahr

Anfang April hat Stefan Thiel sein 10-jähriges Jubiläum gefeiert, ganz groß mit einer Party für all‘ die, die ihm über die Jahre die Treue gehalten haben. Und das sind viele. Es ist überhaupt ein besonders rundes Jahr für den Wirt aus Leidenschaft. Am 13. November feiert er nämlich auch noch seinen 50. Geburtstag. Mal sehen, was er sich dazu wieder einfallen lässt. Der Mann ist ja ein Tausendsassa, ein umtriebiger Mensch, der immer etwas organisieren und planen muss.

Ob das nun gemeinsame Fahrten mit seinen Gästen zu Brauereien sind oder Aktionen zum Vatertag, wenn auch mal eine Band bestellt wird - Stefan Thiel liegt das Wohl seiner „Familie“ eben am Herzen.

Dass er in diesem Jahr auch noch amtierender Dorfkönig der Dorfgemeinschaften Romberg/Linde-Pattscheid ist, passt ganz gut ins Bild. Genauso wie das Motto des diesjährigen Dorffestes „Plan B, ganz sportlich“– das auch auf ihn zurückgeht, dem eben immer noch etwas einfällt, wenn’s nicht wie geplant läuft.

Der Schneemacher

Das können manchmal die verrücktesten Sachen sein. Irgendwann vor ein paar Jahren lief mal eine Wette in der „Linde“ - die einen meinten, an Weihnachten würde Schnee liegen, die anderen hielten dagegen. Stefan Thiel war ein Schnee-Gläubiger - aber als es soweit war, verkündete die Wettervorhersage alles andere, nur keinen Schnee.

Was tun? Klare Sache, Plan B musste her. Also bestellte „Leo“ den Schnee einfach in der Skihalle Neuss, ließ fünf Kubikmeter ankarren und vor seiner Kneipe abkippen. Die „Linde“ hatten nun ihren Schnee an Weihnachten. „Es war eine Schweine-Arbeit, den hart gefrorenen Schnee dann nach ein paar Tagen wieder wegzuschippen, weil der nämlich zu hart gefrorenem Eis geworden war“, lacht Thiel in Erinnerung an diese für ihn typische Aktion. Die Wette jedenfalls hatte er gewonnen.

Jetzt freut er sich erst mal riesig auf die ersten vier Tage im Juli, wenn er zusammen mit seiner Königin Susanne Ziesmann und seinem Hof das Zepter schwingt im Dorf. Überraschungen sind bereits angekündigt in seiner Regentschaft.

Als der König den Prinzen traf

Einen besonderen Wunsch hat sich Stefan Thiel in diesem Jahr übrigens bereits erfüllt: Er hat den Karnevalsprinz für eine Stunde in seiner „Linde“ gehabt. Udo I. war tatsächlich vorbeikommen mit Gefolge, Prinzengarde und – natürlich – seinem Saxophon. „Wann hat man das schon mal hier bei uns, dass der König den Prinz trifft“, scherzt Thiel. Na klar, es war wieder rappelvoll an diesem Abend in der Gastwirtschaft. Wie an Rosenmontag, wie bei der Jubiläumsparty, wie eigentlich immer, wenn’s ordentlich was zu feiern gibt.

Er selbst übrigens hat früher schon gerne gefeiert. Was ihm nicht immer gut bekam. So kostete ihn ein Abend in der „Linde“ seine Karriere beim BV Burscheid. Dazu muss man wissen, dass „Leo“, wie er zu seiner aktiven Zeit eigentlich nur genannt wurde, mal ein ziemlich begnadeter Fußballer im Amateurbereich war. Beim FC Kuckenberg, den es damals noch gab, hat er angefangen mit dem Kicken. In Burscheid ging’s dann weiter.

Ein Stiefel mit Folgen

Dort gehörte „Leo“ zur Stammelf der Bezirksliga-Truppe, die von Bernd Bresgen, dem ehemaligen Bergisch Neukirchener Volksbank-Chef, trainiert wurde. Und der stand auf Disziplin, verhängte vor den Spielen gerne Ausgehverbot. Ganz humorlos konnte er werden, wenn er Spieler in der Kneipe erwischte, die beim Training unentschuldigt gefehlt hatten. So kam er eines Donnerstags abends nach dem Training in die „Linde“, sah seinen Mittelstürmer Stefan Thiel an der Theke vor einem halb ausgetrunkenen Stiefel Bier sitzen, sagte N’abend, und ging wieder.

„Dabei hatte ich nur dem Drängen eines Arbeitskollegen nachgegeben, der unbedingt mit mir mal wieder ein Bier trinken wollte. Das war das Ende meiner Zeit in der ersten Mannschaft des BVB“, schmunzelt Thiel in Erinnerung an diese Szene. „Und in der Vorsaison hatte ich für Burscheid noch 25 Tore in der Bezirksliga geschossen.“ „Leo“ ging runter in die dritte Mannschaft, schoss 28 Tore in zwölf Spielen in der Kreisliga C. Später spielte er noch für Witzhelden („die schönsten fünf Jahre meines Lebens“) und Hilgen.

Jetzt spielt er den König für vier Tage. Er wird feiern und sich feiern lassen. Mal nicht hinter der Theke stehen, sondern auf dem Festplatz und im Zelt das Zepter schwingen. Und dann wieder zurückkehren in seine „Linde“.

Wieder alle willkommen heißen in seinem „Wohnzimmer“. Sich Geschichten anhören, Fußballspiele zeigen, fachsimpeln, Spaß haben mit seinen Pappenheimern. Und eine Dorfwirtschaft im besten Sinne führen.

 

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