Aktuelles

14.04.2011, 23.34 Uhr

Der Obstweg in voller Pracht
(cj) Gibt es eine schönere Zeit für den Obstweg als diese Tage, an denen fast alle Bäume in voller Blüte stehen? Schon jetzt sollte sich allerdings sputen, wer noch etwas von der weißen Pracht sehen möchte. Denn die Blüte hat früher eingesetzt in diesem Jahr. „Der März war sehr warm“, sagt Frank Gerber, Mitarbeiter der Naturschutzstation Rhein-Berg, die im NaturGut Ophoven untergebracht ist. So sind Pflaume, Birne und Kirsche ihrer Zeit – wie schon im vergangenen Jahr – mal wieder weit voraus, während die Apfelbäume gerade ihre ersten zart-rosa Blüten entfalten. Also: Nichts wie raus in ein Stück Natur, das in dieser Jahreszeit Spektakuläres zu bieten hat. Für die, die sich nicht alleine auf den Obstweg machen wollen, bietet der NABU am 30. April eine geführte Wanderung an.


Eine von zahlreichen Informationstafeln auf dem Obstweg
Wer schon jetzt auf eigene Faust loszieht, erlebt die Natur von ihrer schönsten Seite. Das Zusammenspiel der Farben – die Blüten weiß, die Wiesen grün, der Himmel blau – und das Summen der Bienen berauscht die Sinne. Jedenfalls die der dafür offenen Menschen.

In schönster Harmonie

Ein besonders prächtiger Abschnitt findet sich in Verlängerung der Straße Im Rosengarten in Atzlenbach. Hier, entlang dieses idyllischen Feldweges, stehen Alt- und Jungbäume in schönster Harmonie nebeneinander. Kein Straßenlärm trübt den Genuss purer Natur. Was für herrliche Flecken Leverkusen doch zu bieten hat. Und wie schön, wenn man gleich in der Nähe wohnt und losmarschieren kann...

Der Obstweg ist als Rundweg angelegt, beginnt am Naturgut Ophoven und führt über Claasbruch, Atzlenbach und Unterölbach wieder zurück. Er ist neun Kilometer lang, in der kurzen Version fünf Kilometer.
Angelegt hat ihn die NABU Naturschutz-Station Rhein-Berg in Zusammenarbeit mit der Stadt Leverkusen. Finanziert wurde der Obstweg vom Landschaftsverband Rheinland, der rund 30.000 Euro investierte. Im Oktober 2008 feierte der Obstweg seine Premiere. In ganz Deutschland gibt es übrigens nur zwei weitere solcher Wege – da kann Leverkusen mal mit etwas sehr Exklusivem in seiner Region aufwarten.

Der Weg ist Mittel zum Zweck

Frank Gerber, Dipl. Ing. für Landschaftspflege, hat den Weg seinerzeit gemeinsam mit seiner Kollegin, der Diplom-Biologin Claudia Heitmann konzipiert und angelegt. „Der Weg ist eigentlich nur Mittel zum Zweck“, sagt Gerber. Und der Zweck, das sei der Schutz und Erhalt des Lebensraumes Streuobstwiese. Als traditionelles Obstanbaugebiet haben Leverkusen und das Bergische Land (Bergische Obstkammer) früher zur Obstbaumblüte ganze Touristenströme angezogen.
Auch nach Bergisch Neukirchen und Umgebung kamen in den 50er und 60er Jahren Busse aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. Maikundgebungen wurden mit einem Abstecher ins Bergische zur Obstbaumblüte verbunden. „Der Andrang war so groß, dass manche Städte wie Leichlingen von den Touristen leer getrunken wurden“, sagt Gerber.

Mit detektivischem Spürsinn

In den 70er Jahren begann das große Roden, das zu einem Rückgang der Streuobstwiesen führte. Viele Obstbaumsorten starben aus. Naturbegeisterten Menschen wie Frank Gerber ist es zu verdanken, dass in der Bergisch Neukirchener Region einige alte Sorten gerettet werden konnten. Denn Gerber begibt sich mit detektivischem Spürsinn auf die Suche nach alten Schätzen. So konnte er etwa vor dem Friedhof in Bergisch Neukirchen ein Restexemplar des Apfelhochstamms „Schöner aus Burscheid“ ausfindig machen. (Die Suche nach dem „Schöner aus Pattscheid“ blieb leider bislang erfolglos.)

Und in Claashäuschen sowie in Hüscheid fand Gerber zwei Altbäume der „Neukirchener Butterbirne“. Aber der Landschaftspfleger sucht nicht nur, er züchtet auch bzw. lässt in kooperierenden Baumschulen Neuzüchtungen alter Hochstämme machen. Dazu werden von diesen im Februar einjährige Langtriebe (Edelreiser) geschnitten, die in der Baumschule veredelt werden. Dies geschieht, indem der Reiser auf einen einigermaßen stattlichen Wildling (Unterlage) aufgepfropft und mit einem Wachsband fixiert wird.

Klangvolle Namen

Jedes Jahr werden in Leverkusen, Witzhelden und Leichlingen (die inzwischen auch eigene Obstwege haben) bis zu 200 Bäume neu gepflanzt. Regelmäßig lädt die Naturschutzstation Rhein-Berg auch zu gemeinsamen Pflanzaktionen ein. In Atzlenbach haben einige Einwohner bereits zwei Mal daran teilgenommen. Auch hier werden ausschließlich Sorten verwendet, die aus der Region kommen, darunter befinden sich so wunderbare Namen wie „Köstliche von Charneaux“ (Birne), „Zuccalmaglios Renette“ (Apfel), „Kaiser Wilhelm“ (Apfel), „Gräfin von Paris“, „Morellenfeuer“ (Sauerkirsche) oder „Mirabelle von Nancy“ (Pflaume/Zwetsche).

Der Obstweg Leverkusen strahlt eben neben seiner Natürlichkeit und seinem landschaftlichen Reiz auch eine gewisse Erhabenheit aus.

Kommentare lesen Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Kommentare

 

Fotos zum Artikel

Bilder anklicken zum Vergrößern
Informationen

Wer im Garten zu Hause Apfelbäume hat und die Früchte nicht für den eigenen Verzehr vorsieht, kann sie von Anfang bis Mitte Oktober zur Naturschutzstation Rhein-Berg im Naturgut Ophoven bringen. Entweder bekommt er Geld dafür oder Apfelsaft aus dem Obst des Vorjahres.

Birnen aus Claashäuschen haben indes eine andere Verwendung: Die werden in Meckenheim zu Schnaps gebrannt. Je nach Saftertrag reichen manchmal 250 kg für bis zu 55 Flaschen.

Geführte Wanderung auf dem Obstweg Leverkusen:
30. April 2011, Treffpunkt 13.30 Uhr, Leverkusen- Claashäuschen, Kosten 3€, Anmeldung über Naturgut Ophoven, Tel.: 02171 / 734990

NABU-Naturschutzstation Rhein-Berg
Talstraße 4, 51379 Leverkusen
Tel. 02171 / 73499-11
Fax. 02171 / 30944
Email: info[at]nabu-station-r-b.de
Internet: www.nabu-station-r-b.de
Erreichbar: Montags - Freitags 8-12:30 Uhr und 13-16:45 Uhr.
Termine nach telefonischer Absprache.

Weitere aktuelle Artikel

4. Hüscheider Garagentrödel
Samstag, den 24.09.2016 findet von 10.00 – 17.00 Uhr
lesen

Restaurant Fachwerk Neueröffnung
24., 25. und 26. September 2015
lesen

Bergisches Reisebüro zieht um

lesen

Mitgliederversammlung am 23. April 2015
Presse-Information
lesen