Wir für Bergisch Neukirchen

06.04.2011, 11.47 Uhr

Bürgerinfo Supermarkt: Große Ablehnung
(cj) Mit so viel Andrang hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Rund 200 Besucher kamen am 5. April ins Gemeindehaus der Evangelischen Kirche, um sich die Argumente der Bürgerinitiative "Wir für Bergisch Neukirchen" gegen einen neuen Supermarkt an der Wuppertalstraße anzuhören. Es wurde knapp mit den Stühlen, für manche blieb nur ein Stehplatz.


Dagegen: Die Wahl der Bergisch Neukirchener fiel eindeutig aus
Die große Resonanz zeigte eindrücklich, wie sehr das Thema vielen Bergisch Neukirchenern unter den Nägeln brennt.
Zweieinhalb Stunden lang informierte die Bürgerinitiative über die Gründe ihres Protestes, stellte Alternativen vor und stand den Bürgerinnen und Bürgern in einer lebhaft geführten Diskussion Rede und Antwort. Fairerweise kam auch die Gegenseite zu Wort und durfte ihr geplantes Projekt noch einmal präsentieren.

Ganz deutlich aber wurde, dass die Bürgerinitiative mit ihren Ausführungen auf breiteste Zustimmung unter den Anwesenden stieß. Per Handzeichen stimmten bis auf wenige Ausnahmen alle gegen den Bau des Supermarktes im „Siefen".

Am Ende, nach einem wirklich intensiven Gedankenaustausch, lieferte ein Gast aus Bürrig eine treffliche Schlusspointe: „Ich komme zwar nicht aus diesem Ort, da ich aber Neukirchen heiße, fühle ich mich Ihnen doch ein bisschen verbunden. Und ich will Ihnen sagen, dass der Stadtteil Bergisch Neukirchen funktioniert wie kein anderer, dazu möchte ich Sie beglückwünschen."

Was Herrn Neukirchen zu diesem Lob an den Neukirchenern bewog, war wohl die engagiert geführte Debatte, in der die zahlreich erschienenen Teilnehmer ihrer Sorge um den massiven Eingriff in die dörfliche Struktur Ausdruck verliehen hatten.

„Brauchen wir einen neuen Riesen-Supermarkt?", lautete die Fragestellung an diesem Abend. Die Antwort für die meisten Versammlungsteilnehmer dürfte schon vor ihrem Kommen festgestanden haben.

„Wir können noch Einfluss nehmen“

Gleichwohl legte Andreas Salge, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative und Moderator der Veranstaltung, Wert auf die Feststellung, dass man keineswegs eine Revoluzzer-Rolle spielen wolle: „Wir sind keine grundsätzlichen Nein-Sager.“ Gegen den Bau eines Supermarktes an der Wuppertalstraße gebe es aber triftige Gründe, die man auch in vielen Gesprächen mit Vertretern aus Verwaltung und Politik bereits dargelegt habe. Bislang freilich ohne großen Erfolg. „Es gibt eine klare Entscheidung der Politik für dieses Projekt“, stellte Salge fest. Die Verwaltung ist bereits mit der Umwandlung des Flächennutzungsplanes und der Erstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beauftragt.

Dennoch sieht die Bürgerinitiative Möglichkeiten, den Bau in der geplanten Form zu verhindern. „Wir müssen dazu den entsprechenden Druck aufbauen und mit Argumenten überzeugen“, so Salge. Denn die Verwaltung habe gerade erst begonnen, die planungsrechtlichen Grundlagen zu schaffen und sei überdies noch ausgelastet mit den Planungen zur neuen Bahnstadt. „Wir können noch Einfluss nehmen“.

Zwei Alternativen

Weil die Initiative eben nicht nur einfach „dagegen“ ist, präsentierte sie konstruktive Alternativvorschläge. Stefan Fuchs, freier Stadtplaner aus Leverkusen, erläuterte zwei andere Möglichkeiten:

1. Den Umbau des jetzigen Edeka (mit einer Verkaufsfläche von ca. 500 Quadratmetern) in einen etwas größeren Markt (mit ca. 800 bis 900 Quadratmetern). Das würde der vorhandene und bislang nicht oder nur unzureichend genutzte Raum durchaus hergeben. Fuchs: „Man kann im Bestand unheimlich viel machen.“
2. Der neue Edeka könnte – wie ursprünglich von der Verwaltung vorgesehen – auf dem Gelände der Gärtnerei Zeidler entstehen. Weit weniger massiv als der geplante Bau im Siefen und besser eingepasst an die umgebenden denkmalgeschützten Häuser.

Sowohl bei der ersten wie bei der zweiten Alternative würde die Bürgerinitiative auch den Siefen aufwerten wollen, der für viele in seiner jetzigen Form nur ein „Drecksloch“ sei, so Salge. „Man könnte daraus eine wunderbare Grünfläche mit Obstbäumen, einem kleinen Dorfplatz und einer Wegeverbindung machen, die Burscheiderstraße, Wuppertalstraße, Schule und Sportplatz vernetzt“, erläuterte Fuchs.

Die Vorschläge des Stadtplaners erhielten starken Beifall.

„Das wäre ein unruhiges Wohnen“

Schwerer hatte es da Clemens von Dryander vom Architekturbüro Pässler, Sundermann & Partner, der die Möglichkeit erhielt, die Pläne des Investors noch einmal vorzustellen. Das Bauunternehmen Peters sieht an der Wuppertalstraße gleich neben Aldi einen rund 1.500 Quadratmeter großen Supermarkt vor, auf dem zusätzlich bis zu 25 altengerechte Wohnungen entstehen sollen.

Nicht nur über die Ausmaße dieses Baukörpers und dessen Höhe herrschte Unmut in der Versammlung, auch die geplanten altengerechten Wohnungen wurden missbilligt. „Welcher Alte möchte denn gerne über einem Supermarkt wohnen, für den schon morgens um fünf die ersten Lkw-Warenladungen geliefert werden? Das wäre ein unruhiges Wohnen“, stellte Franz Josef Dähler fest.

Eine weitere Sorge äußerte Klaus Barth: „Käme der Edeka im Siefen, wäre dies das Einfallstor für die Bebauung der Hüscheider Gärten.“ Barth wies im Übrigen auch auf die Bedeutung des Siefen als Frischluftschneise hin: „Dieser Teil Bergisch Neukirchens liegt in einer Westwinddrift und ist starken Emissionsbelastungen durch weiter westlich gelegene Industrieanlagen, aber auch durch die stärker frequentierte Einflugschneise zum Köln-Bonner Flughafen ausgesetzt.“

Schon 2004 hatte es deshalb in einer Anlage zu einem Schreiben des Regierungspräsidenten geheißen: „Eine Inanspruchnahme, Beschädigung oder Zerstörung dieses Lebensraumes ist aus ökologischen und klimatischen Gründen zu unterlassen.“

Unterschriftenlisten an alle Fraktionen

Unterschriftenlisten, die im Gemeindehaus auslagen und in Bergisch Neukirchener Geschäften und Hofläden weiter ausliegen werden, sollen demnächst an alle Ratsfraktionen geschickt werden. Man werde alle verwaltungs- und privatrechtlichen Wege ausschöpfen, um den Supermarkt an der Wuppertalstraße zu verhindern, versicherte Andreas Salge. Und natürlich weiterhin versuchen, die Kommunalpolitiker umzustimmen.

Die enorme Zustimmung, die die Bürgerinitiative in der Versammlung erhalten hat, dürfte ihr viel Rückenwind geben.

 

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Informationen

Weitere Informationen zur Bürgerinitiative <a href="http://www.bergisch-neukirchen.de/index.php?id=143">finden Sie auch hier.</a>

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