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03.03.2011, 22.43 Uhr

Schön „jekallt"
(cj) Machen wir uns nichts vor: Aus dem Alltagsleben der meisten Bergisch Neukirchener ist das „Bergische Platt“ als Dialekt mehr oder weniger verschwunden. Da wird es manch einem warm ums Herz, wenn zumindest einmal im Jahr in der Evangelischen Kirche so richtig „jekallt“ wird. Und zwar beim Mundartgottesdienst von Gerhard Mebus.


Liebt das „Bergische Platt": Gerhard Mebus
„Jesus Christus, in dingem Name sin mr zesamme jekomme“; „Loss mr dä Här Jott preisen“ – zugegeben, für den erstmaligen Zuhörer klingt das nicht nur ungewohnt, er kann sich auch eines leisen Schmunzelns nicht erwehren. Gottesdienst „op bergisch platt“ verleiht dem frommen Inhalt etwas Deftiges, Heiteres. „Sulang mr läwwen op dä Äd, steit Jott met Hölp uss bei; hä hät uss jän, on secher mät hä uss vun Sorje frei“ – sind bei diesen Worten nicht alle Sorgen schnell verflogen...

Wä dän Hongk kritt...

Seit 1998 ist der ganz und gar in Bergischem Platt gehaltene Gottesdienst gute Tradition in Bergisch Neukirchen. Die 14. Ausgabe stand unter dem „Kallwort“, also der Redensart: „Wä dän Hongk kritt, kritt ooch die Flüü“ (Wer den Hund bekommt, bekommt auch die Flöhe) und stieß wie immer auf große Resonanz.

Dass die Besucher an diesem letzten Februar-Sonntag fast ausschließlich der älteren Generation angehörten, wunderte natürlich nicht. „Fast alles Stammgäste“, schmunzelt Gerhard Mebus, „die wie ich mit Bergischem Platt aufgewachsen sind, es gerne hören und sprechen“.

Vor 13 Jahren hatte Pfarrer Hans-Michael Bach Mebus gefragt, ob er einen Gottesdienst nicht mal in Bergischer Mundart durchführen wolle. „Der Pfarrer half mir dabei, passende Stellen aus dem Neuen Testament zu finden, die ich als Grundlage der Predigt nehmen konnte“, sagt Mebus. Inzwischen sucht er sich selber Themen aus der Bibel, über die er reden möchte, wählt die Lieder aus und übersetzt sie ins „Bergische“. „Dabei erhebe ich nicht den Anspruch, wirklich perfektes Platt zu sprechen.“

Deftig auf den Punkt gebracht

Damit sei es aber ohnehin so eine Sache. Denn das „Platt“ habe viele Spielarten und regionale Unterschiede. „In Burscheid spricht man schon anders als in Neukirchen und hier wiederum anders als in Opladen“, sagt Mebus, der seit vielen Jahren Mitglied im Presbyterium und zudem Vorsitzender des Fördervereins der Evangelischen Kirche ist.

Was macht für ihn denn nun den Reiz der heimischen Mundart aus? Der 68-Jährige muss da nicht lange überlegen: „Die Möglichkeit, Dinge in sehr bildhaft-deftiger Art auf den Punkt bringen zu können.“ Und er hat auch gleich ein schönes Beispiel parat, ein „Kallwort“ zum Thema „Möchtegern“: „Sie mö’eten jän mit dän Jrußen pissen, kriejen nur dä Been nit esu huu“. Übersetzung überflüssig...

Eigentlich schade, dass eine so direkte, lebendige Sprache kaum noch gepflegt wird. „In Köln ist das ja auch noch anders, da lernen die Kinder wieder Karnevalslieder auf kölsch“, sagt Mebus.

Immerhin, der Mundartgottesdienst in Bergisch Neukirchen ist ein gelungener Versuch, das „Bergische Platt“ nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Nach der Kirche durften übrigens auch die Gottesdienstbesucher nach Herzenslust „kallen“, Gedichte vortragen oder Lieder anstimmen – beim Mundart-Frühschoppen im Gemeindehaus.

Sind auch Sie noch des „Bergischen Platt" mächtig? Dann schreiben Sie uns doch Ihr Lieblings-„Kallwort" - einfach per Kommentar.

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Bisherige Kommentare

09.10.2011, 09:49 Uhr - Claus Winterhoff
Deheem en Buesched dääten mir nur platt kallen.
Vill wöörd sind verjessen.
döckes - oft
jrieläächter - Schadenfroher
Stuufzoppe- Apfelkompott
Ming noberin bruchte dat woort "foortens".
Ech jlööw dat bedückt "manchmal"
Kennt ihr seldene wöörd?

 

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