Leute, Leute

16.02.2011, 22.33 Uhr

Von wegen kleine Brötchen
Markus und Stefan Willeke
(cj) Seit knapp fünf Jahren sind sie auch in Bergisch Neukirchen mit ihrer Bäckerei und Konditorei vertreten. Die Brüder Markus und Stefan Willeke haben sich mit der kleinen Filiale in ihrem Wohnort einen Herzenswunsch erfüllt.


Stefan Willeke bei der Plätzchen-Zubereitung
Man kann sich die Beiden nur schwer im Schwimmbad liegend, mit einem Buch auf der Terrasse sitzend oder sonst wie müßiggängerisch vorstellen. Dafür treibt sie zuviel um, dafür arbeiten sie zu gerne.
Markus und Stefan Willeke üben ihren Beruf mit einer solchen Leidenschaft aus, die weit über das – auch für selbständige Handwerker – übliche Maß hinaus geht.
Wenn die Brüder mal nicht in der Backstube stehen, dann widmen sie sich ihren vielfältigen sozialen Projekten, fahren zu Hochzeitsmessen, um über die aktuellen Trends auf dem Laufenden zu bleiben oder lassen sich neue Rezepte für Kuchen, Plätzchen und Pralinen einfallen. Wenn möglich, verbinden sie das eine mit dem anderen.

So überreichten die Bäcker- und Konditormeister kürzlich erst einen Scheck über 1.000 Euro an die Jugendabteilung von Bayer 04 Leverkusen. Die Summe war ein Teil aus dem Verkaufserlös eigens für den Christkindchenmarkt in Wiesdorf hergestellter „Löwenpralinen". Für die Übergabe an Nachwuchsleiter Jürgen Gelsdorf hatten die Brüder eine große Marzipantorte gebacken, in die der Scheck eingearbeitet war. So viel Stil muss sein...
In ihrem Wohnort Bergisch Neukirchen haben Markus und Stefan Willeke vor knapp fünf Jahren die jüngste und kleinste ihrer inzwischen fünf Filialen eröffnet. Sie führen den großelterlichen Betrieb – mit der Zentrale an der Lützenkirchener Straße in Quettingen – nun in dritter Generation weiter.

Ein Gespräch über Heimatgefühle, die Faszination des Bäckerhandwerks, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, frühes Aufstehen und soziales Engagement.

Markus und Stefan, im vergangenen Jahr feierte die Bäckerei und Konditorei Willeke 60-jähriges Bestehen. Im kommenden Oktober steht das fünfjährige Jubiläum in Bergisch Neukirchen an. Laufen die Planungen für die Feierlichkeiten schon ?
Stefan Willeke: (lacht) Die Feiern zu unserem 60-jährigen haben uns im vergangenen Jahr schon ziemlich viel abverlangt. Im großen Festzelt in Lützenkirchen sind damals rund 1.000 Stücke Kuchen weggegangen. Wir werden aber auch unser Fünfjähriges in Bergisch Neukirchen sicher nicht verschwitzen und uns etwas einfallen lassen. Das wird dann aber ganz sicher eine Nummer kleiner ausfallen.

Sie könnten aber vielleicht schon mal ein kurzes Zwischenfazit ihrer ersten fünf Jahre hier ziehen.
Stefan Willeke: Wir sind sehr gut aufgenommen worden und haben schnell unsere Stammkunden bekommen. Es war von Anfang an eine gute Geschichte. Wobei die Voraussetzungen ja gar nicht so optimal waren. Wir mussten versuchen, auf nur 30 Quadratmetern ein Geschäft einzurichten, das war nicht ganz einfach. Wir sprachen mit vier, fünf Ladenbauern. Einer blieb am Ende übrig, weil die anderen meinten, auf so engem Raum würde ein Laden nicht funktionieren.
Markus Willeke: Durch einige kleinere Umbauarbeiten ist es dann doch gelungen. Ich möchte noch ein Wort zur Konkurrenzsituation vor Ort sagen: Wir pflegen immer ein sehr gutes Verhältnis zu den Kollegen. Es ist wichtig, dass es mehrere gibt, die sich positiv aneinander reiben können. Auch die Bäckerei Schmidt hat ja inzwischen ihre beiden Läden umgestaltet. Letztlich profitiert immer der Kunde von gesunder Konkurrenz. Das ist kein Gegeneinander, vielmehr ein Miteinander traditioneller Bäckereien, die sich ja abgrenzen gegen industriell vorgefertigte Backwaren in Discoutern, wo man nicht genau weiß, wie diese hergestellt wurden. Wir dagegen stellen eine Transparenz her, die Kunden wissen immer, woher das Produkt kommt.

Was hat Sie dazu bewogen, den Standort Bergisch Neukirchen aufzumachen?
Markus Willeke: Wir haben immer einen engen Bezug zum jeweiligen Stadtteil und seiner Umgebung, zu den entsprechenden Kindergärten, Schulen und Vereinen. Und da wir beide in Bergisch Neukirchen bzw. Pattscheid leben, liegt uns dieser Ort mit seinen Bürgern ganz besonders am Herzen. Wir fühlen uns einfach sehr wohl in dieser ja noch relativ heilen Welt hier. Generell legen wir größten Wert auf Kundennähe. Unsere fünf Filialen liegen relativ nah beieinander, die Wege sind bewusst kurz gehalten.

Wie lange leben Sie schon in Bergisch Neukirchen?
Markus Willeke: Wir sind alte Pattscheider. Unsere Eltern zogen Anfang der 70er Jahre von Quettingen nach Pattscheid. Wir sind dort, quasi an der Grenze zu Burscheid, aufgewachsen und haben es immer sehr genossen, ländlich zu wohnen, aber doch nicht sehr weit vom städtischen Kern entfernt.

Neben dem ländlichen Charakter: Was besonders gefällt Ihnen an Pattscheid und Bergisch Neukirchen?
Markus Willeke: Es ist hier noch nicht so uniformiert. Wir lieben die kleinen Geschäfte, in denen noch kommuniziert wird, in denen man sich kennt. Nehmen Sie zum Beispiel den Lotto/Postladen von Frau Schulz. Da findet ein Austausch statt. Gerade etwas ältere Bergisch Neukirchener fühlen sich in diesen kleinen Geschäften aufgehoben, wo man noch mit Namen angesprochen wird, wo es noch nicht so anonym ist wie in anderen Stadtteilen.

Haben Sie Lieblingsorte in Bergisch Neukirchen?
Stefan Willeke: Wenn ich aus der Haustüre rausgehe, bin ich fast direkt in Diepental, ein sehr schöner Flecken Erde. Das genieße ich sehr. Schade nur, dass sie dort unten ein paar Schwierigkeiten mit der Gastronomie haben.

Und im Stadtgebiet von Leverkusen, welche Ecken gefallen Ihnen da?
Markus Willeke: Meine persönliche Nummer eins ist der Neulandpark. Wir haben uns damals auch als Bäckerei engagiert für die Landesgartenschau, weil wir es einfach wichtig finden, dass Leverkusen wieder an den Rhein kommt. Man muss sich nicht für den Rhein schämen, sondern darf stolz darauf sein. Leverkusen ist eine sehr lebenswerte Stadt. Auch imagemäßig hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Wir sind längst keine graue Maus mehr. Viele, die zum ersten Mal nach Leverkusen kommen, sind überrascht, wie grün es hier ist. Wir haben eine hohe Lebensqualität.

Sie sind beide nicht nur Bäcker und Konditoren mit Leib und Seele, sondern auch im lokalen gesellschaftlichen Leben sehr engagiert. Sie treten als Sponsoren auf, laden Kinder zu sich in die Backstube ein, kreieren Mottotorten oder Brote für gemeinnützige Zwecke. In großen Firmen nennt man so was gerne CSR, Corporate Social Responsibility. Wie nennen Sie es?
Markus Willeke: Das Ganze hat einen einfachen Hintergrund: Wir sind christlich erzogen worden, bei uns wurde Nächstenliebe immer groß geschrieben. Dabei ging es uns selber immer gut, wir mussten keine Not leiden. Unsere Eltern haben Wert auf unsere gute Ausbildung gelegt. Unsere Motivation, uns zu engagieren, ist schlicht: Wir möchten etwas weitergeben von dem, was wir erfahren haben. Man kann nicht überall helfen, aber wir möchten gerade für Kinder und Jugendliche da sein. Deshalb laden wir unter anderem regelmäßig Kindergärten zu uns in die Backstube ein, versuchen den Kindern dabei auch etwas über gesunde Ernährung mit auf den Weg zu geben.
Stefan Willeke: Es ist schön helfen zu können, manchmal allerdings ist man auch sehr betroffen. Wenn Sie sehen, wie lang die Schlangen an der Ausgabestelle bei den diversen Leverkusener Tafeln sind, wohin auch wir regelmäßig unsere Waren vom Vortag bringen, dann scheint da etwas nicht zu stimmen. Dort wird einem bewusst, wie sehr die Schere zwischen arm und reich inzwischen auseinander klafft.

Ihre zentrale Backstube ist in Quettingen, von dort aus werden die Filialen beliefert.
Markus Willeke: In Quettingen liegen die Wurzeln, das ist der elterliche Betrieb, hier hat aber schon unser Opa die Bäckerei Willeke begründet. Wir sind nun die dritte Generation.

Es scheint eine glückliche Fügung, dass zwei Brüder, die vom Alter her nur drei Jahre auseinander liegen, den gleichen Beruf ergriffen haben...
Markus Willeke: Für uns stand das sehr früh fest. Wir hatten aber auch das Glück, zwei Ehefrauen zu finden, die uns dabei von Beginn an absolut unterstützt haben. Beide nehmen uns in der täglichen Routine viel Arbeit ab.

Was macht für Sie denn die Faszination des Bäckerhandwerks aus?
Stefan Willeke: Das kann man in Sätzen eigentlich nicht beschreiben, das muss man riechen. Wenn man morgens ein frisches Croissant oder ein Schokobrötchen aus dem Ofen holt, dann muss man sich schon beherrschen, nicht sofort reinzubeißen. Dazu kommt sicher auch die Kreativität, die einen großen Reiz ausmacht. Wir haben neulich zum Beispiel eine Pokertisch-Torte gemacht. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Und man kann auch fast alles umsetzen. Es ist also ein vielseitiger Job. Und einer, bei dem man hinterher sieht, was man gemacht hat.

Jetzt aber mal zu den Nachteilen Ihres Jobs: Die Arbeitszeiten sind hart, geben Sie es zu...
Markus Willeke: Wir müssten lügen, wenn wir sagen würden, dass wir jeden Morgen mit einem 'Heijuppa' aus dem Bett springen. Das fällt vor allem im Winter auch schon mal schwer. Der Beruf verlangt einem einiges ab. Man muss allerdings auch sagen, dass er nicht mehr ganz so viel körperlichen Einsatz erfordert wie früher. Kleinere Maschinen nehmen uns inzwischen einiges ab.

Wann fangen Sie an in der Backstube?
Markus Willeke: Die ersten Mitarbeiter sind gegen 3 Uhr im Betrieb. Wir steigen meist ein bis anderthalb Stunden später ein.

Aber Ihr Arbeitstag hat vermutlich mehr als acht Stunden...
Stefan Willeke: Das ist doch bei allen Selbständigen so. Der bürokratische Aufwand wird leider immer größer. Dazu kommen die Aktionen, die wir über das Jahr verteilt durchführen und die auch gut vorbereitet sein wollen. Und nicht zuletzt haben wir zehn Lehrlinge, denen wir eine sehr gute Ausbildung bieten wollen.

Früher bin ich von meiner Mutter mit dem Fahrrad oft nur in die zwei Kilometer entfernte Bäckerei geschickt worden, um dort für zehn Pfennig Hefe zu kaufen. Ansonsten gab’s da noch Brot, Brötchen und ein bisschen Kuchen. Das war’s. Heute ist das Angebot nicht nur sehr viel reichhaltiger, sondern macht auch äußerlich mehr her. Muss der erfolgreiche Bäcker/Konditor inzwischen auch ein kleiner Künstler sein? Immer auf der Suche nach dem noch originelleren Kuchen, Plätzchen, nach der noch ausgefalleneren Praline?
Markus Willeke: Heute geht es in vielen Bereichen immer in Richtung Erlebnisgastronomie. Natürlich auch bei uns. Da ist eine gewisse Kreativität schon gefragt. Es hat sich aber auch das Kaufverhalten geändert. Wenn man sich Statistiken anschaut, dann liegen die Zeiten noch gar nicht so lange zurück, in denen Familien rund die Hälfte des Nettoeinkommens für die Ernährung ausgegeben haben. Heute sind es 13 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens. Auch die Wertigkeit der Lebensmittel hat sich durch die Industrialisierung verändert. Wenn man heute schon bei Lebensmitteln über Grenzwerte spricht, ist das bezeichnend. Man müsste viel mehr über Reinheitsgebote sprechen. Gerade im Handwerk ist es essentiell, dass man die Produktion transparent macht, den Kunden erklären kann, wie etwas gemacht ist. Wenn Kunden uns sagen, mensch, das schmeckt ja noch nach was, dann ist das ein schönes Kompliment.

Aber ein bisschen Show gehört auch dazu: Sie haben es sogar mal bis ins Guinessbuch der Rekorde geschafft...
Stefan Willeke: (lacht) Wir waren mal bei einer Veranstaltung des Rheinischen Bäckerhandwerks, wo wir an einem Brötchenweltrekord mitgearbeitet und unsere 20 verschiedenen Sorten beigesteuert haben. Insgesamt machten 270 Bäcker mit, die 3500 Sorten Brötchen gebacken haben.

Wo wir gerade bei den Zahlen sind: Wie viele Brote oder Brötchen kommen bei Ihnen täglich aus dem Ofen?
Markus Willeke: Das lässt sich so pauschal nicht sagen, weil wir jeden Tag auch individuell auf Bestellung arbeiten. Aber es können schon bis zu 4.000 Brötchen pro Tag sein.

Bäckerei oder Konditorei – welcher Bereich ist bei Ihnen der stärkere?
Markus Willeke: Personell betrachtet ist das Verhältnis fifty-fifty. Da der Bereich Konditorei der etwas arbeitsintensivere, aufwändigere ist, sind wir produktmäßig immer noch in erster Linie Bäckereibetrieb mit einem sehr starken Konditoreianteil.

Gönn’ Dir was Besonderes, lautet Ihr Motto. Was von Ihren eigenen Produkten gönnen Sie sich besonders gerne?
Markus Willeke: Bei mir ist das immer etwas Fruchtiges in Torten.
Stefan Willeke: Ein warmes Schoko-Croissant, eine leckere Nuss-Nougat-Praline.

Mein Favorit ist das Wurzelbrötchen. Verraten Sie mir, was da alles drin ist?
Stefan Willeke: Soja, Mais, Hirse, Möhren, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsaat, Sesam, Natursauerteig und der Basisbrötchenteig mit Malz, Salz und Hefe. Alles natürliche Produkte. Wir mischen übrigens generell all unsere Körner selber.

 

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Informationen

Die Bäckerei und Konditorei Willeke hat fünf Filialen in Lützenkirchen, Quettingen (2), Leichlingen und Bergisch Neukirchen.

Die Brüder Markus (43) und Stefan (40) Willeke beschäftigen rund 40 Mitarbeiter. Alle Filialen werden von der Backstube in der Lützenkirchener Str. 175 in Quettingen beliefert.

Gegründet wurde das Familienunternehmen 1950 von Willy und Hedwig Hausmann in der Birkenbergstr. 54 in Opladen. Deren Tochter Ursula heiratete 1964 den gelernten Polsterer Klaus Willeke, der aus Liebe zu seiner Frau den Bäcker-Beruf erlernte.

1977 übernahmen er und seine Frau die Bäckerei und Konditorei Hausmann, die seit dem Bäckerei und Konditorei Willeke heißt. Seit 2001 führen die Söhne Markus und Stefan das Unternehmen.

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