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Der Balkanexpress
(1) Nur 2 km bis Pattscheid
(Kurt Kaiß) Wohl selten hat eine Strecke abseits der großen Schienenstränge in unserem Raum eine derart hohe Popularität erlangt wie die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep - Opladen, im Volksmund zumindest seit 1931 nachweislich auch "Balkanbahn" genannt. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich diese etwas despektierliche Bezeichnung zum positiv belegten Begriff "Balkanexpress"...


Haltestelle Bergisch Neukirchen, www.drehscheibe-foren.de
Nur 2 km bis Pattscheid

Vom Haltepunkt Kuckenberg (157,8 m üb. NN) setzte der Schienenstrang seinen Weg von den Höhen des Bergischen Landes hinab zur Rhein Wupper Niederung fort, rechts in nur geringem Abstand begleitet von der Straße Burscheid Opladen (B 232), die auch die auf dem Kamm angelegten Siedlungen miteinander verbindet. Nach kurzer Fahrt durch eine von sanft abfallenden Hängen und abwechslungsreichen Talformationen geprägten Landschaft, in der viele Jahrzehnte der Obstbau sowie die Grünlandwirtschaft dominierten, war schon Pattscheid erreicht, das, ehemals zu Bergisch Neukirchen gehörig, wie der Rest der Gemeinde 1975 nach Leverkusen eingemeindet wurde.

Der Bahnhof Pattscheid und sein Vorläufer

Wie erwähnt, waren an der sog. Zweigbahn Born Opladen zunächst nur Burscheid und Wermelskirchen als Zwischenstationen vorgesehen. Ein bereits 1871 von der Gemeinde Neukirchen an die NED Elberfeld gerichteter Antrag auf Anlage einer Haltestelle bei Pattscheid wurde dagegen mit Hinweis auf die ungünstigen Steigungsverhältnisse der Strecke sowie die "noch völlig mangelnde Industrie" in Neukirchen als "unthunlich" abgelehnt. An dieser Entscheidung vermochten bis 1879 auch weitere Eingaben nichts zu ändern, obwohl Neukirchen sich sogar bereit erklärt hatte, der BME eine zehnjährige Steuerbefreiung und darüber hinaus einen Baukostenzuschuß von Tausend Talern zu gewähren.

Nachdem die NED Elberfeld das u.a. auch vom Solinger Landrat Me!beck unterstützte Gesuch auf Anlage einer Haltestelle bei Pattscheid am 2.1.1879 erneut abgelehnt hatte, wandten sich die Neukirchener an den Minister in Berlin, der ihrem Begehren stattgab und die Bahnverwaltung am 27.3.1879 anwies, die "beantragte Haltestelle bei Pattscheid ohne Einlegung einer Horizontalen und ausschließlich für den Personenverkehr einzurichten".

Der Haltepunkt Pattscheid erhielt damit Vorrang vor einer ebenfalls ins Kalkül gezogenen Personenhaltestelle bei Nagelsbaum. Bei der Wahl des Standorts entschieden sich die NED Elberfeld, der Landrat sowie die Gemeinde Neukirchen schließlich für ein Areal westlich von Pattscheid, was einige "Interessenten" aus den Gemeinden Burscheid, Witzhelden und Leichlingen zu heftigen Protesten beim Minister veranlaßte, bevorzugten sie doch eine Station im Osten von Pattscheid, zumal ein Antrag auf Verlegung des Bahnhofs Burscheid weiter nach Westen in Berlin keine Zustimmung gefunden hatte.

Aller Protest war indes vergebens; es blieb bei dem vorgesehenen Standort unweit der Hofschaft Oberölbach.
Da die Einebnung des Geländes zur Anlage des Haltepunktes wohl länger dauerte als geplant, zögerte sich seine Eröffnung bis zum 15.11.1881 hinaus. Dann jedoch war auch die Gemeinde Neukirchen an das Eisenbahnnetz angeschlossen, und dies zu annehmbaren Konditionen, hatte sie doch nur die Kosten für die Herstellung des Weges zur Station zu tragen. Den Billetverkauf besorgte übrigens der "Bahnhofswirt", der dafür 3% der Einnahmen erhielt.

Ungeachtet allen Fortschritts in der Eisenbahnfrage herrschte in Neukirchen Betrüb nis darüber, daß der Haltepunkt Pattscheid allein dem Personenverkehrvorbehalten war, der Güterverkehr aber nach wie vor über Opladen, Burscheid oder Leichlingen abgewickelt werden mußte. Verschiedene Gesuche zur Erweiterung des Hp Pattscheid um eine Güterladestelle wurden von der Bahnverwaltung bzw. dem Ministerium mit der Begründung abgelehnt, daß aufgrund der geringen Entfernungen zu den o.g. Stationen ein ausreichendes Bedürfnis" hierfür nicht vorliege. Auch seien die hohen Kosten für die Anlage sowie das Betreiben einer solchen Güterladestelle durch das zu erwartende Frachtaufkommen mit Schwerpunkt Obstversand keinesfalls gerechtfertigt.

Bei dieser ablehnenden Haltung blieb es bis zum Jahre 1897. Der dann seitens der verantwortlichen Stellen einsetzende Meinungsumschwung war nicht so sehr vom Verständnis für die nachdrücklich geäußerten Belange Neukirchens geprägt, sondern wurde vielmehr durch die Tatsache begünstigt, daß die Verkehrszunahme zwischen Lennep und Opladen den Bau einer Kreuzungsstelle im unteren Streckenbereich erforderlich machte, ein Stationsum oder neubau also ohnehin bevorstand.

Da die ungünstigen Terrainverhältnisse eine Erweiterung des Haltepunktes Pattscheid nicht zuließen, entschied sich die Bahnverwaltung für die Errichtung einer neuen Station an der Gemeindegrenze zu Burscheid ca. 800 m östlich der alten. Nachdem diese Standortentscheidung zunächst nicht die Zustimmung der Neukirchener Gemeindevertreter finden konnte und die Bürger in Befürworter bzw. Gegner der Eisenbahnpläne spaltete, fügte man sich schließlich doch dem Willen der Bahnverwaltung.

Der langgehegte Wunsch nach einem Güterbahnhof ging damit endlich in Erfüllung, wenngleich er teuer erkauft werden mußte, hatte die Gemeinde neben der kostenlosen Bereitstellung des benötigten Geländes doch noch einen Baukostenzuschuß von 15.000 Mark zu leisten. Die Eröffnung der neuen Haltestelle Pattscheid, wie man sie anfangs nannte, erfolgte am 1. Mai 1902; der alte Personenhaltepunkt wurde am gleichen Tag geschlossen.

 

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Informationen



Kurt Kaiß
Der Balkanexpress, Die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep - Opladen
Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte Heft 3
ISBN: 3-9806103-2-2
Verlag A. Kaiß, Leichlingen

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