Die Balkantrasse

13.02.2011, 00.07 Uhr

Balkanradweg: Auch Leverkusen setzt Signale
(cj) In Burscheid haben sie Anfang dieses Jahres schon mit den Arbeiten begonnen. Und auch in Leverkusen wollen eigentlich (fast) alle den Rad- und Wanderweg auf der ehemaligen Balkantrasse. Dank eines Fördervereins hat das Projekt gewaltig an Fahrt aufgenommen.


Bitte Platz nehmen: Die Trasse in Atzlenbach
Ein bisschen träumen wird man ja schon mal dürfen: Stellen wir uns also einen schönen Frühsommer-Sonntagmorgen vor, einen strahlend blauen Himmel, einen Tag wie gemacht für eine ausgedehnte Fahrradtour. Die Kinder freuen sich, also rauf auf die Räder, ein paar Meter die Burscheiderstraße rauf und schon sind wir über den Zugang Bahnhof Pattscheid auf dem Alleenradweg.

Keine Autos mehr, keine bangen Rufe mehr in Richtung Kids „Passt auf, da vorne kommt eine Kreuzung“, sondern entspanntes, lautloses und – trotz leichter Steigung – fast müheloses Fahren auf Flüsterasphalt. Wir nähern uns Burscheid auf dieser zweiten, dieser „grünen“ Hauptschlagader. Die erste, die graue Hauptschlagader, die Burscheiderstraße überlassen wir den Pkw. Unser erstes Etappenziel heißt Hilgen. Kurze Trinkpause, vielleicht irgendwo in einem Biergarten, etwas abseits vom Weg. Dann geht’s weiter auf der ehemaligen Bahntrasse des Balkanexpress über Tente nach Wermelskirchen.

Immer wieder laden entlang der Strecke Eisdielen, Restaurants, Spielplätze zum Verschnaufen ein. Wir kommen ins Gespräch mit anderen Radfahrer-Familien, Skatern, Walkern, Spaziergängern. Bis nach Remscheid-Lennep schaffen wir’s mit zwei noch relativ kleinen Kindern nicht mehr - von Pattscheid aus wären das rund 23 Kilometer. Und wir müssen noch zurück... Also wieder Retour! Immerhin: Jetzt rollt es sich noch bequemer, es geht ja sanft aber stetig bergab.
Nach rund vier Stunden sind wir wieder zuhause.

In Burscheid entsteht der Radweg schon

Ein schöner Traum von der Balkantrasse als Rad- und Wanderweg. Ein Traum, der in absehbarer Zukunft Wirklichkeit werden könnte. Denn: In Burscheid sind die Arbeiten an der Umgestaltung der Bahntrasse in einen Alleenradweg bereits seit Beginn dieses Jahres in vollem Gange.

Bäume und Sträucher entlang der 6,2 Kilometer langen Strecke wurden bereits gerodet, im Mai soll über die Vergabe der Asphaltierungsarbeiten beschlossen werden. Und schon im kommenden Jahr dürfen Radfahrer, Wanderer, Walker und Skater den Weg in Betrieb nehmen. Schöne Aussichten.

Auch in Wermelskirchen und Remscheid läuft das Projekt bereits an. Nur in Leverkusen ist man noch nicht so weit. Noch nicht. Der Stadt fehlen bekanntlich die finanziellen Mittel, um den veranschlagten Eigenanteil von 425.000 Euro aufbringen zu können. 75 Prozent des insgesamt 1,7 Millionen Euro teuren Ausbaus würde das Land Nordrhein-Westfalen tragen.

Balkantrasse Leverkusen im Förderprogramm 2013

Mit der Gründung des „Vereins der Freunde und Förderer der Balkantrasse“ im Mai 2010 ist freilich viel Bewegung in die Sache gekommen. Die Mitglieder leisteten in den vergangenen Monaten mit großem Engagement und viel Optimismus Überzeugungsarbeit bei Politikern wie Bürgern.

Die Erfolge können sich sehen lassen. Rund 670 Mitglieder hat der Förderverein inzwischen – Tendenz stetig steigend. Im Oktober 2010 votierte auch der Rat der Stadt Leverkusen für einen Radweg auf der Bahntrasse, wenig später wurde das Projekt offiziell ins Förderprogramm des Landes NRW aufgenommen – zunächst für 2013. Sollte die Finanzierung früher stehen, „wäre eine Förderung unter Umständen sogar schon 2012 denkbar“, sagt Karl-Friedrich Weber, Opladener Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender des Fördervereins.

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Die von der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft (BEG) bisher vorgelegte Kostenschätzung muss präzisiert, die Baukosten müssen exakt kalkuliert und diverse Gutachten erstellt werden.

Dabei geht es „um landschafts- und naturschutzrechtliche Dinge ebenso wie um die Themen Altlasten und Brückensanierungen“, sagt Jürgen Wasse, Gründungsmitglied des Fördervereins. Da etwa die Brückenbauwerke auf der gesamten Strecke bis nach Remscheid-Lennep durchweg vom selben Typ seien – und zwar massiv gemauerte Bogenbrücken –, „ist deren Instandsetzung längst nicht so teuer wie oft behauptet wird.

Sponsorenakquise hat begonnen

Weil jedoch die konkreten Zahlen noch fehlen, ist auch der Förderverein derzeit in seinen Aktivitäten noch etwas gehemmt. Man habe zwar mit der Sponsoren-Akquise bereits begonnen, „allerdings kann man mit verlässlichen Zahlen auch sehr viel intensiver und punktgenauer für das Projekt werben“, meint Wasse.

Der ehemalige und inzwischen pensionierte Redakteur des „Leverkusener Anzeiger“, der sich im Förderverein um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, ist Feuer und Flamme für den Ausbau der Balkantrasse in einen Alleenradweg. Und was die Umsetzung betrifft, auch sehr optimistisch:

„Das Land NRW betrachtet das Projekt in der Gänze als sehr attraktiv. Burscheid, Wermelskirchen und Remscheid sind schon dabei, lediglich in Leverkusen würde der Lückenschluss fehlen. Ohne den Ausbau in Leverkusen gäbe es weder einen Anschluss an die Radwege der Rheinschiene noch an das immer dichter geknüpfte Radwegenetz im Bergischen. Das kann nicht wünschenswert sein.“

Die Balkantrasse stelle darüber hinaus die einzige – zudem sehr komfortable – Ost-West-Verbindung zwischen dem Ruhrtal-Radweg im Norden und dem Rhein-Sieg-Radweg im Süden dar.

Ein Aushängeschild für Leverkusen

Für Wasse und seine Mitstreiter im Förderverein steht fest: „Dieser Radwanderweg könnte ein Aushängeschild für Leverkusen und Tourismus-Magnet werden.“ Der 67-Jährige selbst ist als passionierter Radfahrer oft auf ehemaligen Bahntrassen unterwegs und nennt den Maare-Mosel-Radweg als ein gelungenes Beispiel unter vielen: „In der Mosel-Eifel-Region ist diese Route touristisch ein absolutes Highlight.“

Man stelle sich nur mal vor, wie viele Kölner am Wochenende ganz einfach vom Hauptbahnhof Köln ihre Fahrräder mit in den Zug nehmen und in Opladen ihre Tour ins Bergische gleich in der Neuen Bahnstadt Opladen beginnen könnten. „Dort wäre dann ein alter Waggon des Balkanexpress der Startpunkt“, kommt Wasse ins Schwärmen. „Und für Radtouristen aus anderen Teilen Deutschlands könnten dann Hotels an der Strecke Bed & Bike-Angebote machen, etwa das Hotel Mayhof in Pattscheid.“

Reaktionen überwiegend positiv bis euphorisch

Aus Wasse sprudeln die Ideen nur so heraus. Man wolle den ganzen Einzelhandel und das Gastgewerbe mit ins Boot nehmen bei diesem Projekt. Denn: „Statistiken belegen, dass Radfahrer doppelt so häufig einkehren wie Autofahrer.“

Die Reaktionen auf das Engagement des Fördervereins sind überwiegend positiv bis euphorisch. „Egal wohin wir bisher gekommen sind, ob wir uns bei Bürgern, Politikern oder in der Verwaltung vorgestellt haben, es gab überall fast nur lobende Worte für unser Projekt“, sagt Karl-Friedrich Weber.

Verständnis für Kritiker

Die skeptische bis ablehnende Haltung der wenigen Kritiker – meist direkte Anwohner der Bahntrasse – nimmt der Verein dennoch sehr ernst. Manche fürchten eine Vermüllung der Strecke und haben Einwände in Sachen Sicherheit. „Wir können diese Bedenken durchaus nachvollziehen“, so Wasse, der mit vielen Anwohnern schon das persönliche Gespräch gesucht hat. „Aber bei ähnlichen Projekten gibt es bisher keine Hinweise für derlei Probleme – im Gegenteil.“ Der Förderverein werde ja auch für die künftige Unterhaltung und den Betrieb der Strecke verantwortlich sein, und das schließe selbstverständlich die regelmäßige Kontrolle des Weges ein.

Auch die örtlichen Naturschutzverbände hätten keine Einwände gegen eine Nutzung der renaturalisierten Bahntrasse als Radweg. „Da wir von der Gesamtfläche des Trassenbandes für den eigentlichen Radweg nur einen Bruchteil benötigen“, so Wasse, „könnten große Flächen gezielt für den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden.“

Auf die „sanfte Tour“

Bleibt zu hoffen, dass die BEG bald mit der konkreten Planung und den entsprechenden Gutachten beginnen kann. Dann könnte „die sanfte Tour in die Natur“ – so der Slogan des Fördervereins – bald auch in Leverkusen starten.

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Informationen

Die 28 Kilometer lange Bahnlinie von Leverkusen-Opladen nach Remscheid-Lennep, im Volksmund Balkanexpress genannt, wurde zwischen 1868 und 1881 in Betrieb genommen und Mitte der 90er Jahre stillgelegt.

Zwischen Opladen (50 Meter über NN) und Lennep (330 Meter über NN) steigt der Weg über 280 Höhenmeter sehr sanft an.

Wer den „Verein für Freunde und Förderer der Balkantrasse“ unterstützen möchte, sollte Mitglied werden. Der Jahresbeitrag beträgt nur zwölf Euro. Der Verein möchte über Spenden, Sachleistungen und bürgerschaftliches Engagement den Eigenanteil, den die Stadt Leverkusen zu entrichten hat, aufbringen.
Mehr Informationen zum Förderverein: www.balkantrasse.de

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