Wir für Bergisch Neukirchen

01.05.2013, 16.01 Uhr

„Wir können die Politik zum Nachdenken bewegen“
(cj) Vom 2. Mai bis zum 6. Juni werden die Änderung des Flächennutzungsplanes und der Bebauungsplan des geplanten Supermarktes an der Wuppertalstraße öffentlich ausgelegt. Die Pläne können dann in Elberfelder Haus, Hauptstraße 101, in Wiesdorf eingesehen werden.
Die Bürgerinitiative „Wir für Bergisch Neukirchen“ lässt derweil nicht locker und hofft weiterhin darauf, mit Aufklärungsarbeit den Bau an der Wuppertalstraße noch verhindern zu können. Ein Interview mit Stefan Kaufmann und Roland Hölzer, zwei Gründungsmitgliedern der Initiative:


Herr Kaufmann, Herr Hölzer, wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Politik in Sachen Edeka-Markt an der Wuppertalstraße doch noch umdenkt?
Kaufmann: Wir haben bei der letzten Bürgerveranstaltung im katholischen Gemeindehaus gemerkt, dass dieses Thema die Leute sehr bewegt. Viele wissen inzwischen, welche Konsequenzen dieser Bau haben würde. Es geht nämlich nicht nur um die knapp 6000 m² Fläche, die der Edeka-Markt in Anspruch nehmen würde, sondern mittel- und langfristig um die weitere Bebauung einer Gesamt-Fläche von 70.000 m². Diese Zahl ist übrigens bisher nicht ein einziges Mal von der Politik dementiert worden. Das sagt viel aus. Es war schön zu sehen, dass viele aufgestanden sind und gesagt haben, da müssen wir jetzt etwas machen und auch selbst aktiv werden.

Hölzer: Auch auf Facebook gibt es mittlerweile die Seite „Der überflüssigste Supermarkt der Welt“, auf der sich Widerstand regt und die inzwischen weit über 100 Follower hat. Die ablehnende Haltung zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und auch durch alle Altersgruppen.

Kaufmann: Es wird ja gerne von einigen der Eindruck erweckt, als sei die ältere Bevölkerung durchweg für diesen Edeka-Markt. Das stimmt überhaupt nicht, es gibt sehr, sehr viele kritische Stimmen, die fragen: Was ist aus diesem Dorf eigentlich schon geworden? Wir müssen jetzt wirklich mal auf die Bremse treten. Wir haben keine Angst, dass wir hier verhungern. Allerdings ist auch immer wieder festzustellen, dass noch nicht allen Neukirchnern bewusst ist, welche Tragweite diese Baumaßnahme haben wird.

Also hoffen Sie noch?
Kaufmann: Wenn viele Leute sich negativ äußern und Widerspruch einlegen gegen die ab dem 2. Mai ausgelegten Pläne, dann können wir die Politik zum Nachdenken bewegen. Die Politiker denken ja jetzt schon nach, in einigen Fraktionen herrscht schon keine Einigkeit mehr. Wir sind davon überzeugt, dass da noch etwas möglich ist. Umso mehr Bürger widersprechen, desto größer ist auch die Chance, etwas außergerichtlich zu bewegen. Deshalb ist jede Stimme sehr wichtig. Sollten die Verantwortlichen jedoch nicht einlenken, klagen wir in letzter Konsequenz, und das ist kein Bluff, gegen diesen geplanten Markt. Wir haben gerade bei der letzten Bürgerversammlung zu dieser Vorgehensweise sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung bekommen.

Was entgegnen Sie denen, die sagen, Sie wollen nur verhindern?
Kaufmann: Wir sind nicht angetreten, um zu verhindern. Wir wollen verbessern, unsere Initiative heißt nicht umsonst „Wir für Bergisch Neukirchen – Initiative für eine Stadtplanung, die zu uns passt“. Das ist ja positiv belegt, wir wollen wirklich etwas ändern, weil der Status quo in unserem Stadtteil auch uns nicht in allen Bereichen gefällt. Und wir haben nun wahrlich viel Zeit und Mühe investiert, um aufzuzeigen, wie man den bestehenden Markt umgestalten könnte. Das ist aber von vorneherein abgelehnt worden.

Was ärgert Sie so am Standort Wuppertalstraße?
Hölzer: Wir wollen die Grünflächen und das Lebenswerte hier bewahren, und wir wollen eben nicht, dass durch solche Baumaßnahmen am Ende der Ort nicht mehr wieder zu erkennen ist. Selbst in der Entwurfsplanung des Architektur-Büros Pässler/Sundermann heißt es ja wörtlich: „Das derzeitige Erscheinungsbild in Bezug auf die umgebende Landschaft wird sich drastisch ändern. Der als natürlich wahrgenommene Charakter geht verloren.“
Bei der Erarbeitung des Flächennutzungsplanes von 2003-2006, der unter Beteiligung vieler Bürger zustande gekommen ist, kam heraus: Die Bergisch Neukirchener wollen keine künstlich geschaffene Ortsmitte, sondern den kleinteiligen Einzelhandel unterstützen. Auch die Politik kritisiert ja immer wieder gerne den enormen Flächenfraß. Aber immer, wenn es konkret wird, wenn sich vor Ort ein Investor meldet, dann heißt es, dass man in diesem Falle doch noch mal einlenken müsse. Damals, 2006, als der Flächennutzungsplan fertig gestellt war, sagten uns die Politiker: Jetzt habt ihr Planungssicherheit für die nächsten 15-20 Jahre. Davon wollen viele heute einfach nichts mehr wissen.

Kaufmann: In den Gutachten steht, dass der Siefen für die Feinstaubbindung und die Grundwassergewinnung sehr wichtig ist, weil es sich um eine große unversiegelte Fläche handelt. Außerdem heißt es dort, dass die geplanten Ausgleichsmaßnahmen für die ökologische Zerstörung bei weitem nicht ausreichen. Auch nicht vergessen werden sollte die Tatsache, dass mit dem geplanten Supermarkt eine enorme zusätzliche Verkehrsbelastung – die Gutachten sprechen hier von mindestens 1.560 Kfz-Fahrten pro Tag – auf Bergisch Neukirchen zukommen wird, verbunden mit einer drastischen Zunahme von Abgas- und Lärmbelastung.

Hölzer: Auf dieser Fläche herrscht kein Baurecht, weil es Außenbereich ist. Nun versucht man, öffentliches Interesse zu konstruieren, um diese Fläche umzuwidmen. Also behauptet man einfach mal, hier entstehe jetzt eine Unterversorgung, wenn der alte Markt geschlossen wird. Da müsse ein neuer, größerer her, das sei die Rettung. Dabei wurde im 2007 erstellten Nahversorgungskonzept, also noch vor dem Bau des Aldi-Marktes, festgestellt, dass in Bergisch Neukirchen eine ausreichende Versorgung bestehe. Seit dieser Zeit ist unser Stadtteil wahrlich nicht explosionsartig gewachsen. Also gibt es überhaupt keine Notwendigkeit und keine Berechtigung, einen so großen Supermarkt zu bauen.

Geht der Trend immer mehr in Richtung übergroßem Vollsortimenter, oder kennen Sie Beispiele, wo es anders funktioniert?
Hölzer: In Schlebusch gibt's den Edeka-Markt Breuer, der ist sogar preisgekrönt worden für seine Kundenfreundlichkeit. Der hatte auch zuerst gedacht, er würde ohne Vergrößerung nicht überleben können. Er wollte also erweitern, durfte aber nicht. Trotzdem läuft das Geschäft auf knapp 700 Quadratmetern hervorragend.

Kaufmann: Weil er aus der Not eine Tugend gemacht und auf Qualität und die Nähe zum Kunden gesetzt hat. Das ist ja auch das, was wir hier brauchen – gerade in einer älter werdenden Bevölkerung. Größenwahn und zunehmende Anonymität helfen hier nicht weiter.

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Informationen

Info-Veranstaltung am 3. Mai 2013 um 19 Uhr im katholischen Gemeindehaus Hl. drei Könige, Platanenweg, zu den Bebauungsplänen an der Wuppertalstraße
Lesen Sie hier die Info zur Veranstaltung

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